Der FlowRunner auf dem Fränkischen Gebirgsweg

Auf dem Fränkischen Gebirgsweg

Drei Tage „Kopf frei“

Das Faschingswochenende zeigte sich zwar kühl und windig, aber ich hatte ein freies Zeitfenster. Vier Tage ohne jegliche Verpflichtung. Da musste ich einfach raus. Und so machte ich mich kurzentschlossen und ziemlich unvorbereitet auf, den Fränkischen Gebirgsweg zu erobern.

Der Fränkische Gebirgsweg

Der Prädikatswanderweg führt vom oberfränkischen Untereichenstein, dem Ausgangs- oder Endpunkt gleich mehrerer großer Fernwanderwege, ins mittelfränkische Hersbruck. Er legt dabei 428 Kilometer zurück.

Die tatsächliche Entfernung zwischen Start- und Endpunkt hingegen dürfte bei einem Bruchteil davon liegen (1/3). Der Weg verfolgt ganz offensichtlich das Ziel, möglichst viele sehenswerte Stellen der fränkischen Mittelgebirge zu erwandern. Es geht nie darum, schnell ans Ziel zu gelangen.

Markierung Fränkischer Gebirgsweg
Gab drei Tage lang die Richtung vor: Die Markierung des Fränkischen Gebirgsweges

Der Fränkische Gebirgsweg führt auf schmalen Pfaden durch beeindruckende Natur und nimmt dabei – seinem Namen Ehre machend – so viele Aussichts- und Höhepunkte wie möglich mit.

Auf- und Abstiege sollten den Wanderer auf diesem Weg ebenso wenig schrecken, wie das gelegentliche Passieren von Wegweisern anderer Wanderwege, die versprechen, das Tagesziel viel schneller zu erreichen. Gerade gegen Ende einer Etappe kann dies zu einer echten Herausforderung in Sachen Willensstärke werden, im Bedarfsfall aber auch sehr nützlich.

Der Fernwanderweg ist auf der eigenen Website ausführlich mit Kartenausschnitten und Höhenprofil beschrieben. Dort kann man auch eine kostenlose Broschüre anfordern, die den Weg in Tagesetappen beschreibt. Ein toller Service, den ich selbst schon ein paar Monate vorher in Anspruch genommen hatte.

Vorbereitung für ein Wanderwochenende

Wegen der unsicheren Wettervorhersage und einer hartnäckigen Erkältung entschied ich mich erst am Vortag endgültig für den Wochenendtrip. Und so beschränkte sich meine Vorbereitung auf das Studium der Broschüre und ein paar Gedanken darüber, was man für maximal 4 Tage unterwegs so braucht.

Zuletzt war ich immer ohne Übernachtung unterwegs, meist mit Laufschuhen und minimalem Gepäck, so dass ich nicht wirklich auf jüngere Erfahrungen zurückgreifen konnte. Beim Packen zeigte sich aber, dass ich mir trotzdem meist klar war, was nötig sein würde und was nicht.

Pack die Regenjacke ein

Mein treuer Deuter Futura Rucksack – aus längst vergangenen Zeiten alpiner Mehrtagestouren – bot mir mit einem Volumen von 42 Litern zumindest reichlich Raum für Übergepäck.

Ich war mir bezüglich des Wetters und der Einkaufsmöglichkeiten unsicher und die körperliche Herausforderung einer mehrtägigen Wanderung hatte ich als machbar in Erinnerung. Deswegen sah ich wohl nicht recht ein, warum ich den vorhandenen Raum nicht nutzen sollte.

Konkret entschied ich mich für zwei Kleidungssätze aus Unterwäsche, Socken, Hose und Merino-Rolli (einmal am Körper, einmal als Nato-Rolle), dazu Windstopper, Fleeceshirt und Regenjacke. Für die Nacht und als Kälte-BackUp kam noch ein Satz lange Funktionsunterwäsche obendrauf.

Zusammen mit ein bisschen Kleinkram, wie dem neuen GPS-Gerät (erstmals), Handy, Mütze, Schlauchtuch, Handschuhe, Stirnlampe, Taschenmesser und Tages-Verpflegung (inkl. 2l Wasser) addierte sich das Gesamtgewicht des Rucksacks dann doch auf gut 10 Kilogramm. Vor allem am ersten Tag machte sich das durchaus belastend bemerkbar.

Lauf- oder Wanderschuhe?

Ein bisschen Kopfzerbrechen bereitete mir das Schuhwerk. Seit Jahren bin ich fast ausschließlich mit Laufschuhen unterwegs, allerdings nur eintägig und mit entsprechend wenig Gepäck. Laufschuhe bestechen durch ihr geringes Gewicht, die Möglichkeit auch mal ein Läufchen einzulegen, und durch ihren Komfort. Außerdem trocknen sie schnell.

Doch dieses Mal fiel meine Entscheidung in letzter Minute noch auf ein paar halbhohe – vor allem im Alltag und auf Gebirgsausflügen eingelaufene – Dolomite Karakorum Wanderschuhe. Kein besonders schweres Model, aber eines, das mir die Möglichkeit bot, es mit einer Imprägnierung für ein paar Tage ziemlich wasserdicht zu präparieren.

Angesichts des Regens der Vortage hatte ich diesmal einfach nicht den Mut, mich auf die gewohnten Laufschuhe zu verlassen. Es gab später Streckenabschnitte, auf denen ich mich meiner weisen Voraussicht rühmte und andere, auf denen ich mich dafür verfluchte. Insgesamt funktionierte das Schuhwerk aber gut.

Start im süden (Hersbruck)

Wegen der für mich besseren Erreichbarkeit und des frühen Zeitpunkts im Jahr, kam für mich nur ein Start am südlichen Punkt des Fränkischen Gebirgsweges in Frage. Er wird in der Regel von Norden nach Süden beschrieben, ist aber in beiden Richtungen lückenlos und vorbildlich markiert, so dass sich dadurch kein Nachteil für mich ergab.

Der Frankenwald und das Fichtelgebirge im nördlichen Teil des Weges waren zum größten Teil noch schneebedeckt. Aber auch in der Hersbrucker Schweiz begegneten mir noch reichlich Reste des selten schneereichen Winters.

Die richtige Etappenlänge

Die Planung der Etappen erfolgte gewohnt optimistisch, getreu dem Motto „wie weit kannst du sonst so am Tag laufen“ abzüglich des Handicaps durch Wanderschuhe und Rucksack. Das war natürlich Blödsinn.

Zuletzt hatte ich bei größeren Unternehmungen fast immer mehr als 40 Kilometer am Tag zurückgelegt und manchmal auch noch deutlich mehr. Allerdings immer nur für einen Tag, nicht so früh im Jahr und in weiten Teilen als Läufer.

Zielsetzung

Irgendwie rechnete ich dennoch, dass ich auch diesmal um die vierzig Kilometer würde zurücklegen können. Konkret schwebte mir vor, nach etwa 120 Kilometern auf dem Fränkischen Gebirgsweg bei Hollfeld in Richtung meines Geburtsortes Kulmbach abzubiegen, wo ich nach etwa 150 Kilometern am vierten Tag ankommen wollte.

Soweit zur Theorie.

Samstag, 02. März: Hersbruck – Plech (33 km)

Ich erreiche Hersbruck am Samstagmittag nach gut 3 Stunden im Zug. Bis zum Abend will ich das 33 Kilometer entfernte Örtchen Plech erreichen.

Noch im Zug habe ich mir dort telefonisch eine Unterkunft organisiert, denn eine wirkliche Alternative bietet sich nicht. Die meisten Gasthöfe in der Hersbrucker und der Fränkischen Schweiz haben noch geschlossen.

Die 33 Kilometer nach Plech erweisen sich sehr schnell als ambitioniert. Gleich zu Beginn meldet sich mein neues Garmin GPSmap 64s, mit dem ich mich gerade laufend vertraut mache, mit einer genauen Angabe der bis zum Sonnenuntergang verbleibenden Zeit.

Ich bin gerade erst losgelaufen, aber in nicht einmal 6 Stunden wird es dunkel werden, das hatte ich in den letzten Tagen so früh gar nicht wahr genommen. Der Fränkische Gebirgsweg zeigt sich derweil von Beginn an anspruchsvoll, mit ruppigen Anstiegen und morastigem Untergrund, was gerade nicht zu meiner Erleichterung beitragen will.

Motto des ersten Tages: Bloß keine Pause machen!

Leider geht mir das die ganze Zeit nicht aus dem Kopf und ich verfluche mich mehrmals innerlich, überhaupt eine Unterkunft gebucht zu haben. Dabei verdränge ich freilich, dass es gar keine echte Alternative zum gewählten Etappenziel gibt. Doch genau diesen Druck wollte ich eigentlich nicht.

Dem anstrengenden ersten Abschnitt bis zur Burg Hohenstein folgen endlich ein paar sanftere, aber auch langweiligere Kilometer über eher landwirtschaftlich geprägte Flächen. Immer wieder passiere ich bei 5 Grad Außentemperatur und Nieselregen auch größere Restschneefelder. Immer wieder versinken meine Schuhe im aufgeweichten Untergrund. Meine Laufschuhe vermisse ich gerade nicht.

spannende Streckenabschnitte

Die spannendsten, aber auch härtesten Kilometer kommen unvermittelt und ganz zum Schluss. In unmittelbarer Nähe meines Ziels wird das Licht immer spärlicher, während ich dem schmalen Pfad über den ersten von zwei wunderbaren Aussichtshügeln folge. Der Weg ist selbst in der Dämmerung die reine Attraktion, wie er sich durch den lichten und von Fels- und Steinformationen durchzogenen Wald schlängelt. Nur zu Ende gehen will er nicht.

Die steilen Anstiege bringen mich jetzt regelmäßig außer Atem und immer wieder halte ich kurz an. Es zeigt sich zunehmend, dass ich schon den ganzen Tag zu schnell unterwegs bin. Seit 6 Stunden laufe ich ohne Pause über Stock und Stein, bergauf und bergab. Auch die ungewohnte Last auf dem Rücken setzt mir jetzt zu.

Endlich habe ich den letzten Hügel hinter mir, da komme ich in einem Steilstück auf losem Laub ins Rutschen und ehe ich mich versehe, liege ich wie ein Käfer auf dem Rücken.

Unwillkürlich muss ich über mich selbst lachen. Eine geruhsame Wanderung in möglichst kontemplativer Grundstimmung hatte ich mir vorgenommen. Stattdessen hetzte ich schon den ganzen Tag der immer gleichen Markierung hinterher und komme doch nicht an. Ich bin jetzt ziemlich fertig.

Jakobsweg und Fränkischer Gebirgsweg
Verlaufen immer wieder parallel, der Fränkische Gebirgs- und der Jakobsweg

Trotz angenehmer Unterkunft schlafe ich schlecht. Statt der angenehmen  Müdigkeit des Wanderers, plagt mich mein Körper im Bett mit Muskelschmerz und Herzklopfen.

Sonntag, 03. März: Plech – Pegnitz (33 km)

Trotz Anlaufschwierigkeiten in Form eines ausgeprägten Ganzkörper-Muskelkaters und der mäßigen Nachtruhe starte ich bestens gelaunt in die zweite Etappe. Schon beim Abendessen am Vortag habe ich entschieden, dass ich es heute ruhiger angehen lasse. Die kommende Nacht will ich im nur knapp 30 Kilometer entfernten Pegnitz verbringen. Dafür habe ich gut drei Stunden mehr Zeit als gestern, und das verspricht Entspannung.

Anfang März verirrt sich offenbar niemand in diese im späteren Frühjahr so beliebte Gegend, und schon gar nicht auf diesem Weg. Nicht einmal in Betzenstein, das durch seine Burg, die Felsformationen und zahlreiche andere Attraktionen bekannt ist, treffe ich auf Ausflügler.

Der Fränkische Gebirgsweg
Betzenstein im andauernden Winterschlaf, im Hintergrund kann man noch Schneereste erkennen.

Die örtliche Tankstelle, zu der ich auf einem kleinen Umweg gelange, bietet neben der nötigen Verpflegung auch ein kurzes Gespräch mit der netten Inhaberin. Sie ist den Fränkischen Gebirgsweg selbst schon gegangen.

Beim Verlassen erkundigt sich ein gerade tankender Autofahrer, ob ich auf dem Jakobsweg unterwegs wäre. In seinen Augen meine ich so etwas wie Sehnsucht zu erkennen. Seit Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ verbinden auch Menschen, die selbst nicht wandern, positive Gedanken mit dem Erscheinen eines Fernwanderers. Das ist durchaus angenehm.

Ich fühle mich sofort ein wenig privilegiert, obwohl ich auch nur ein paar Tage Zeit habe.

Der kleine Umweg zur Tankstelle ist heute schon der zweite, denn endlich in ruhigerem Tempo unterwegs, verliere ich mich erstmals in meinen Gedanken und komme dabei prompt vom Weg ab. Ich merke es erst nach zehn Minuten. Doch jetzt habe ich endlich Zeit dafür.

Motto des zweiten Tages: Lass dir Zeit!

Die Natur zeigt sich auf dem ganzen Weg noch winterlich. Die Wiesen sind platt gedrückt vom Schnee und die Landschaft sieht fast ein wenig dreckig aus.

Flechten
Wie tot sieht der Wald hier aus. Allein den Flechten scheint es zu gefallen.

Im Grunde präsentieren sich nur die Haselnuss-Sträucher und ein paar Weiden im Frühjahrsmodus. Im Wald bei Algersdorf entdeckte ich am Vortag noch ein paar Märzenbecher, und das auch nur, weil mich eine Tafel ausdrücklich auf das seltene Vorkommen dort hinwies.

Die liebe Hasselnuss

Es ist unglaublich wie viele Haselnuss-Sträucher und -Bäume es hier gibt, oder nimmt man sie sonst nur nicht wahr? Mit ihren prallen Blütenkätzchen stechen sie heraus, aus den noch vorherrschenden Grau- und Brauntönen der übrigen Natur. Leider kann ich sie auch spüren. Den ganzen Tag schon plagt mich meine Pollen-Allergie, was dem jetzt zunehmend trockenen und windigen Wetter geschuldet ist.

Doch juckende Augen und eine laufende Nase können mir den Spaß heute nicht verderben. Durch beeindruckende Felsformationen mit zahlreichen Höhlen führt mich der Weg nun weiter in Richtung Pegnitz.

Direkt durch den Fels. Der Fränkische Gebirgsweg.
Tolle Wegführung. Hinter Betzenstein geht es direkt durch den Fels.

Obwohl Sonntag, treffe ich zwischen Betzenstein und Pegnitz weder Wanderer noch Fahrradfahrer. Ich scheine der einzige Mensch zu sein, der heute frei hat. Klasse.

Nach einem geruhsamen und langen Wandertag erreiche ich schließlich Pegnitz, wo ich den Weg auf der Suche nach einer Unterkunft noch einmal verlassen muss.

Hatte ich gestern noch gut fünf Kilometer in der Stunde zurückgelegt, waren es heute kaum vier. Auch morgen will ich es wieder ruhig angehen lassen.

Rosenmontag, 04. März: Pegnitz – Waischenfeld (33 km)

Mein Weg hält bisher kaum Einkaufsmöglichkeiten für mich parat, gar nicht zu reden von einer guten Tasse Kaffee zur rechten Zeit.

Ich will heute lieber kein Risiko eingehen und starte den Tag mit einem Besuch des nächstgelegenen Supermarktes. Unnötig zu erwähnen, dass er in der falschen Richtung liegt.

Somit bestens eingedeckt mit Leckereien – auch Schokolade ist jetzt dabei – und mit den ersten beiden Kilometern bereits in der Tasche, komme ich zurück auf die Strecke und setzte meinen Weg fröhlich fort.

Der Fränkische Gebirgsweg läuft auch hier wieder ein Stück zusammen mit dem Jakobsweg. Kurz später entfernt er sich von der Autobahn A9, der er die letzten 40 Kilometer immer wieder in weiten Bögen gefolgt ist, und sie dabei mehrfach kreuzt.

Sturm auf der Hohenmirsberger Platte

Das Wetter könnte heute spannender kaum sein, der Wetterbericht hat vor Sturm und Orkanböen gewarnt. Zunächst scheint jedoch zum ersten Mal, seit ich unterwegs bin, die Sonne. Aber schon jetzt weht mir der auffrischende Wind die Haselnusspollen in jeden Schleimhautwinkel.

Fränkischer Gebirgsweg - Ruine Hollenberg
Über den Ringwall der Ruine Hollenberg führt der Weg durch lichte Laubwälder.

Der Pfad führt mich wieder durch verwunschene Wälder. Immer wieder tauchen große Felsformationen zwischen den noch laubfreien Bäumen auf und laden dazu ein, sie zu besteigen oder ihre Höhlen zu erforschen. Auf einer solchen,  zahlreich unterhöhlen Felsformation thront die Ruine Hollenberg und lädt zu einem Blick ins Land, der aufgrund des starken Windes für mich nur ein flüchtiger wird.

Ich fliehe vor dem Wind und den Geräuschen, der sich aneinander reibenden und ächzenden Bäume, ins etwas geschütztere Püttlachtal, in dem ich sogleich ein anderes Naturschauspiel beobachten kann. Alle paar Minuten stoßen die Bäume, die das Flüsschen hier säumen, ihre Pollen bei besonders starken Windböen explosionsartig als gelbe Wolken in die Luft. So dick, dass man meint, unter dem Baum verbrenne jemand seltsame Dinge.

Fränkischer Gebirgsweg Pollenflug
Wie gelber Rauch: Pollenflug im Püttlachtal.

Aus dem Tal heraus führt der Weg jetzt in völligem Windschatten durch den Wald bergan. Hier ist es angenehm warm und gemütlich. Ich versäume es leider, noch einmal ausführlich zu rasten. Die Furcht vor dem Wetter treibt mich weiter. Denn auf den Anstieg im Windschatten folgt ein ausgesetztes Teilstück über die Hohenmirsberger Platte und ich fürchte diese bei den für den Nachmittag angekündigten Orkanböen queren zu müssen.

Baum im Püttlachtal
Auch Anfang März ist die Natur hier nie langweilig. Am Rande des Fränkischen Gebirgsweges.

Als ich mich aus dem Wald kommend der freien Hochebene nähere, macht der Weg noch einen 90-Grad-Knick und ich stehe im Wind. Ehrlich beeindruckt von der Heftigkeit, aber auch der Konstanz des Windes, dokumentiere ich mit einem kleinen Filmchen meine im Wind flatternde und knatternde Hose. Schon wenige hundert Meter später liege ich mehr im Wind, als dass ich stehe.

Zunächst noch amüsiert, später nur noch fasziniert, beginne ich die Querung der beeindruckenden Hochfläche, deren Äcker mehr weiß als braun sind, so viel Kalkstein enthalten sie. Als ich am Aussichtsturm ankomme, den ich mir wegen des Sturmes freilich erspare, verspricht das Schild einer Gaststätte eine windgeschützte Mahlzeit im nächsten Ort.

Am Rande des Fränkischen Gebirgsweges
Mehr Kalkstein als Erde. Feld auf der Hohenmirsberger Platte.

Die Strecke zieht sich, und obwohl ich mittlerweile mit Regenjacke über dem Windstopper, mit Handschuhen und einem Schlauchtuch über der Mütze bewehrt bin, kühle ich im konstanten Dauerbeschuss des Windes zunehmend aus.

Als ich den Ort der Sehnsucht endlich erreiche, zieht es mich so sehr ins nahe Tal, dass ich in der Hoffnung auf weniger Wind und warmen Kaffee meinen Weg unmittelbar und zügig fortsetze.

Der Abstieg durch den Wald ist steil und ich verliere zwischen den sich im Wind biegenden Bäumen keine Zeit. Meine geplagten Muskeln leiden in diesem Abschnitt noch einmal erbärmlich. Doch ich merke auch, dass ich jetzt, nach mehr als 80 Kilometern, langsam eingelaufen bin. So kann es weitergehen. Nur das Wetter passt gerade nicht.

Ein Männlein steht im Regen

Im Ahorntal angekommen bekomme ich tatsächlich Kaffee und sogar ein leckeres Stück Kuchen, auch wenn ich dafür wieder ein paar Meter vom Weg abgehen muss. Das Tagesziel Waischenfeld ist nur noch etwa 10 Kilometer entfernt.

Als ich am Abend über die Burg Rabenstein und das Wassertal kommend ins Wiesenttal einlaufe, hat sich der Wind abgeschwächt. Dafür peitschen immer wieder heftige Regenschauer durch das Tal. Doch nur wenig später erreiche ich von einem Regenbogen geleitet mein Etappenziel.

Die Suche nach einer Unterkunft verläuft anders als erwartet. Das große Hotel, in dem ich so sicher war, unterzukommen, hat Betriebsurlaub. Die verbleibenden sind entweder geschlossen oder setzen das Faschingstreiben, das hier durch nasse Hinterlassenschaften noch deutlich sichtbar ist, und mit einem großen Umzug begangen wurde, mit Live-Musik bis in den späten Abend fort.

3 x 33 = genug

Bei einer weiteren Tasse Kaffee im Rewe-Markt am Ortsausgang sondiere ich meine Möglichkeiten. Ich beschließe, den vierten Tag zu opfern und mich von meinem Bruder in Kulmbach abholen zu lassen.

Die Alternative wäre gewesen, mich mit dem Taxi in den nächstgrößeren Ort fahren zu lassen, und meinen Weg am nächsten Tag von dort nach Kulmbach fortzusetzen. Doch ich würde dabei ohnehin nicht mehr dem Fränkischen Gebirgsweg folgen, und unterbrochen wäre meine Wanderung durch die Taxifahrt auch.

Der Folgetag verspricht kalt, windig und nass zu werden. Das sind mit gerade zu viele Opfer für einen weiteren Wandertag.

Und so endet mein kleines Abenteuer oder Micro-Adventure, wie man es heute gerne nennt, nach drei Tagen mit jeweils ziemlich genau 33 gelaufenen Kilometern in Folge. Wenn das nicht zum Fasching passt.

Nach insgesamt 99 nasskalten und stürmischen Wander-Kilometern in drei tollen Tagen liege ich wenig später in der warmen Badewanne meines Elternhauses in Kulmbach und lasse das Erlebte sacken.

Fazit

Der Fränkische Gebirgsweg ist ohne Zweifel empfehlenswert. Die Strecke ist abwechslungsreich, wunderschön und bestens markiert. Ich werde auch die anderen Abschnitte noch unter die Wanderschuhe nehmen, wo nicht schon lange geschehen.

Eine mehrtägige Wanderung Anfang März ist eine besondere Herausforderung, sowohl was das Wetter angeht als auch die Versorgung unterwegs. Schon wenige Wochen später wäre die Natur atemberaubend schön und frühlingshaft gewesen und viele der geschlossenen Gaststätten wieder in Betrieb. Aber auch so hatte der Weg seinen Reiz.

Körperlich lief die Wanderung für mich unspektakulär. Ich bin zu schnell los gelaufen und musste einen Tag dafür büßen. Im Verlauf des dritten Tages fühlte ich mich endlich mittendrin. Und danach wäre es natürlich erst richtig los gegangen…

Quod erit demonstratum. Ehrensache. 😊

4 thoughts on “Auf dem Fränkischen Gebirgsweg”

  1. Lieber Sebastian,
    ich finde solche Mehretappen-Wanderungen ja besonders reizvoll, v.a. da wir so viele ausgezeichnete Fernwanderwege in Deutschland haben. Wie es Dir erging, kann ich mir gut vorstellen, v.a. wenn man ein Tagesziel erreichen muss, da ist dann die entspannte Wirkung des Wandern schnell dahin. Schön, dass Du nach dem gehetzten ersten Tag, dann doch noch entspannen konntest.
    Die Stürme waren wirklich eine Herausforderung, v.a. wenn man wandernd unterwegs ist, aber Du bist um ein paar Erfahrungen reicher geworden 😉

    Salut

    1. Lieber Christian,

      ja, die Auswahl an Fernwanderwegen ist mittlerweile echt fantastisch und steht irgendwie sogar in einem ziemlichen Missverhältnis zu der zwar wachsenden, aber insgesamt doch eher überschaubaren Zahl ihrer Nutzer.

      Mich reizen noch so viele davon. Vor allem würde ich gerne mal einen komplett durchlaufen. Leider stehen dem derzeit noch zu viele anderweitige Verpflichtungen entgegen. Und zwei Wochen oder mehr ohne die Lieben sind streng genommen auch nicht mein Ding, allenfalls theoretisch. Aber irgendwann…

      Im Juni ziehe ich erstmals zusammen mit meinem achtjährigen Sohn los. Er wandert schon recht ordentlich und sehr gerne. Er hat sich schon diesmal beschwert, dass ich alleine gehe.

      Wir wollen uns also erstmals zusammen an eine mehrtägige Tour wagen und sehen, wie weit wir gemeinsam auf dem Altmühltal-Panoramaweg kommen (max. aber 5 Tage).

      Da stehen dann natürlich Naturbeobachtungen und Sehenswürdigkeiten im Vordergrund. Strecke möchte ich mit ihm eher spielerisch und nebenbei machen.

      Ich bin schon ganz gespannt darauf. Kann eigentlich nur klasse werden 🙂

      Beste Grüße
      Sebastian

    1. Hallo Stefan,

      danke für die Ergänzung, die Distanz in Luftlinie hatte ich in der Tat nur aus dem Bauch raus geschätzt. Deinen Bericht werde ich mir natürlich ansehen, hatte vorher nicht viel darüber gefunden und freue mich über jeden Erfahrungsbericht.

      Beste Grüße
      Sebastian

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