Der Lauf des friedvollen Kriegers

Laufen und Achtsamkeit

Die Beschäftigung mit der vielzitierten Achtsamkeit hat es mir angetan. Immer wieder taucht sie auf und ich fühle, dass ich mich noch mehr mit ihr befassen sollte.

Beim Laufen tue ich mir jedoch hin und wieder schwer mit ihr. Passen Laufen und Achtsamkeit vielleicht gar nicht so gut zusammen? Ist Laufen wirklich eine meditative Bewegungsform?

 

Dem Begriff der Achtsamkeit bin ich lange gar nicht begegnet. Letztlich hat wohl meine Neigung zu Bluthochdruck dazu geführt, dass ich über die achtsame Geisteshaltung gestolpert bin. Vor allem die Erkenntnis, dass mein Blutdruck mehr ein Teil meines Wesens ist als eine Krankheit.

„Es war mir jedenfalls bald klar, dass eine achtsame Haltung für mich vielleicht der erfolgversprechendere Weg ist, als die verschriebene Medikation.“

Achtsamkeit

Für die Achtsamkeit gibt es eine Fülle von Definitionen, die verbreitetste dürfte die nach Jon Kabat-Zinn sein, der sie als eine Form der Aufmerksamkeit beschreibt,

  • die absichtlich herbeigeführt ist,
  • sich auf den gegenwärtigen Zeitpunkt bezieht und
  • dabei nicht wertend ist (vgl. wikipedia.de).

Aus den verschiedenen Definitionen zur Achtsamkeit habe ich mir selbst – als Gedankenstütze – folgende Kernelemente herausgesucht:

  1. Gedanken vorbeiziehen lassen, statt sich in ihnen zu verlieren.
  2. Die gezielte Aufmerksamkeit auf den momentanen Zeitpunkt, das jetzt.
  3. Die Offenheit der Sinne in alle Richtungen (im Gegensatz zur Konzentration).

Das gewünschte Ergebnis wäre für mich also die bewusste Wahrnehmung des jetzigen Moments – und das in voller Bandbreite.

Achtsamkeit lässt sich besonders gut beim Essen erfahren:

  • Ich kann mir entweder, wie gewohnt, nebenbei ein Stück Schokolade in den Mund schieben und dabei über den Text nachdenken, den ich gerade schreibe (=nicht achtsam).
  • Oder aber ich nehme das Stück Schokolade – nach eingehender Betrachtung und Vorfreude – genussvoll in den Mund und denke beim Kauen desselben an nichts anderes als den Genuss, den es mir gerade bereitet (=achtsam).

Wer das einmal im direkten Vergleich probiert, der bekommt einen guten Eindruck der Wirkung von Achtsamkeit.

Achtsamkeit geht nicht von selbst

Das Problem an der Achtsamkeit ist, dass sie eine Geisteshaltung ist, die man regelmäßig üben muss, denn ihre Erfahrung in der vollen Bandbreite erfordert laut einer Reihe von Studien sogar physische Umbauprozesse in unserem Gehirn.

Ich möchte das wieder an Hand eines Beispiels verdeutlichen:

Versuche in den nächsten 2 Minuten einfach mal an nichts zu denken!

Geht nicht?

Genau, so geht es mir meist auch. Denn das Nichtdenken erfordert Übung. Und die regelmäßige Übung bewirkt wohl tatsächlich Umbauprozesse in unserem Gehirn.

Ein probates Trainingsmittel dafür ist die Meditation. Mit Hilfe der Meditation trainiert man, vereinfacht gesagt, Gedanken vorbeiziehen zu lassen.

Das mit den 2 Minuten nicht denken klappt ganz gut, wenn man z.B. einfach mal besonders bewusst ein- und ausatmet, und dabei gedanklich nur dem Luftstrom folgt (von der Nase – über die Luftröhre – bis in den Bauchraum). Das ist dann die einfachste Form der Atemmeditation, die für mich z.B. schon recht gut funktioniert.

Während der Atemmeditation sind schon zwei meiner drei o.g. Kernelemente bzw. Gedankenstützen erfüllt. Man lässt die Gedanken vorbeiziehen und befindet sich nur im jetzt – in diesem Moment.

Das dritte Element, die Wahrnehmung mit allen Sinnen ist dann wohl das, was Fortgeschrittene erwarten können. Ich kann ehrlich gesagt nicht mit Sicherheit sagen, ob ich soweit schon einmal war.

Aber nun zurück zum Laufen.

Achtsam laufen

Ich versuche meine Läufe vor allem achtsam zu beginnen. D.h. ich fokussiere meine Gedanken zunächst auf die richtige Körperhaltung (geneigte Säule) und atme bewusst ein- und aus. Etwas später beziehe ich dann den Kniehub und die Armhaltung noch mit ein und versuche an nichts Anderes zu denken, als meinen Bewegungsablauf.

Manchmal funktioniert das von Anfang an hervorragend, manchmal gar nicht. Funktioniert es gut, dann falle ich immer wieder in diesen Zustand aus Atmung und Bewegung, den ich meditativ nennen möchte. Würde ich jetzt noch mit allen Sinnen meine Umgebung wahrnehmen, dann wäre ich wohl im Wunschzustand des friedvollen Kriegers.

Der friedvolle Krieger

Das Bild des friedvollen Kriegers ist eine Schöpfung des amerikanischen Bestseller-Autors Dan Millman. Auf der Suche nach einem Meditationsratgeber bin ich seinerzeit auf Dan Millmans Buch „Der Pfad des friedvollen Kriegers“ gestoßen, das unter dem gleichen Titel später sogar verfilmt wurde – und das nicht mal schlecht.

Der autobiografische Roman handelt von einem Sportler, der mit Hilfe der Achtsamkeit zu sich selbst findet und dadurch in neue Sphären der Leistungsfähigkeit vordringt.

Mir hat es trotz der typisch amerikanischen Überzeichnung sehr gut gefallen und das Bild des friedvollen Kriegers für den achtsamen Sportler hat sich mir eingeprägt. Ich finde es treffend.

„Der friedvolle Krieger ist für mich der ausdauernd Suchende, der die Lösung seiner Probleme, weil er nicht aufgibt, letztlich in sich selbst findet.“

Nachfolgend ein paar schöne Zitate aus Film und Buch:

„Ich nenne mich einen friedvollen Krieger… weil die Schlachten, in denen wir kämpfen, in unserem Inneren sind.“

„Es ist niemals nichts los, sowas wie gewöhnliche Augenblicke gibt es nicht!“

„Der Weg ist es, der uns glücklich macht, nicht das Ziel.“

(alle aus „Der Pfad des friedvollen Kriegers“ von Dan Millman)

Mein Weg zur Achtsamkeit

Die achtsame Geisteshaltung ist für mich zweifelslos zum Ziel geworden, auf das ich mich möglichst unverkrampft und mit vielen Unterbrechungen zu bewege.

  • Ich versuche wieder mehr im Moment zu leben (Kinder z.B. tun das automatisch und nehmen dadurch auch viel mehr wahr).
  • Ich versuche beim Essen gedanklich nicht woanders zu sein und zu genießen, was mir – so einfach es scheint – sehr schwerfällt.
  • Und ich versuche mich in der gelegentlichen Meditation.

Mein Smartphone als schlimmsten Achtsamkeitskiller habe ich leider noch nicht verbannen können (schon aus beruflichen Gründen).

Laufen: Achtsam oder gedankenverloren

Auch beim Laufen dachte ich anfangs noch, dass es geradezu die ideale Übung für Achtsamkeit sei. Die Realität ist aber, dass ich mich gerade dabei immer öfter in einem echten Zwiespalt befinde, nämlich bei der Wahl zwischen

  • bewusster, achtsamer Bewegung im hier und jetzt und
  • der jahrelang erfolgreich absolvierten, gedanklichen Bewältigung des Tages während des Laufens.

Letzteres fällt mir viel leichter und tut mir auch irgendwie gut.

Wenn ich jedoch meine Pulswerte dabei vergleiche, so liegen zwischen den beiden Extremen gut 10 Schläge/Min., natürlich zugunsten der achtsamen Variante.

Ich arbeite folglich wohl auch zukünftig beim Laufen weiter an mehr Achtsamkeit.

Wie siehst Du das?

Hast Du dich schon mit der Achtsamkeit beschäftigt? Passt sie aus deiner Sicht gut zum Laufen?…oder bist Du sogar von Natur aus achtsam?

Ich würde mich sehr über den ein oder anderen Kommentar zu diesem diesmal etwas spirituell angehauchten Thema freuen.

Und zu guter letzt noch ein kurzer, aber vielsagender Dialog aus dem Film „Peaceful Warrior“:

Dan: „Du hast den Verstand verloren, weißt Du das?“

Socrates: „Dafür habe ich mein ganzes Leben lang üben müssen.“

26 Gedanken zu „Der Lauf des friedvollen Kriegers“

  1. Interessantes Thema mit der Achtsamkeit. Ich tue mich noch ein wenig schwer mit der Definition und dem Bsp. mit der Schokolade.
    Wenn ich genussvoll ein Stück Schokolade esse, muss ich mich darauf konzentrieren, mit Gedanken schleifen lassen bin ich schnell wieder abgelenkt und erledige irgendwas nebenbei.
    Ich ersetze für mich das Wort achtsam durch bewußt. Ich laufe bewußt, achte auf meinen Körper, nehme die Umwelt war und irgendwann ist der Kopf frei und man merkt nicht mehr wie die Zeit vergeht und wie man rückblickend zum Ausgangspunkt zurück gekommen ist.
    Werde mich aber noch weiter mit dem Thema beschäftigen, ein guter Ansatz, gerade in unserer schnelllebigen Zeit.
    Gruß Helmut

    1. Hallo Helmut,

      ja, da legst Du den Finger gezielt in die Wunde. Ich habe mich mit dem Beispiel von Anfang an nicht 100%ig wohl gefühlt, mir ist nur gerade kein besseres eingefallen. Dem Beispiel fehlt zu sehr der dritte Aspekt (offen mit allen Sinnen) und damit ist es von der Konzentration schwer zu unterscheiden. Diese Unterscheidung jedoch scheint mir sehr wichtig. Konzentration ist leicht, Achtsamkeit ist viel umfassender und damit auch nicht so leicht greif- und beschreibbar für mich. Aber ich bin da auch ein Anfänger…

      Etwas „bewusst“ tun kommt der Sache sicher schon recht nahe, aber auch hier fehlt mir die Offenheit aller Sinne, die ich für wichtig halte. Auch ich werde mich noch etwas mit der Achtsamkeit beschäftigen müssen und es war sicher gewagt über etwas zu schreiben, das man selbst noch nicht vollständig verstanden hat. Aber gerade Eure Kommentare helfen mir auch bei der Überlegung. Perfekt – Danke!

      Gruß Sebastian

  2. Lieber Sebastian,
    Du hast etwas aufgegriffen, was mir bisher in dieser Form gar nicht bewusst war und je länger ich darüber nachdenke, befällt mich der Gedanke, dass ich in vielen Lebensbereichen nicht besonders achtsam bin. Allerdings weiß ich auch, dass ich zum Beispiel beim Zusammensein mit meiner Familie sehr achtsam bin, denn da ist nur der Moment wichtig und nicht so sehr die Dinge, die waren oder unmittelbar folgen. Auch beim Laufen ist es sehr unterschiedlich. Sehr oft geht es um das Verarbeiten von alltäglichen oder besonderen Problemen bzw. Erfahrungen. Aber es gibt sie auch, die Momente, die besonderen Läufe, bei denen es nur um das Laufen geht. Der Fokus liegt auf der Bewegung und/oder der Umgebung, alles andere ist ausgeblendet. Sehr oft sind es auch diese Läufe, die einen Flow mit sich bringen…mein Lauf im Sturm in der vorletzten Woche, war so ein „achtsamer“ Lauf, weil alles andere unwichtig war, es ging nur um den Augenblick…seltsame Geschichte diese Achtsamkeit. Vielen Dank für den sehr interessanten Anstoss 🙂

    Salut

    1. Lieber Christian,

      dein Kommentar rettet mich wieder ein wenig. Ich habe hier über etwas geschrieben, in das ich bestenfalls reingeschnuppert habe, und da es schon ein schwer greifbares Thema ist, ist es auch nicht einfach zu vermitteln. Du scheinst aber genau das verstanden zu haben, was ich ausdrücken wollte. Puh. Dass ich Dich mit dem Thema zum Nachdenken anregen konnte freut mich natürlich besonders.

      Dein „Sturmlauf“ ist sicher ein passendes Beispiel. Während des Laufes hast Du sicher nicht an Morgen gedacht. Du warst viel zu sehr mit dem jetzt beschäftigt. Achtsamkeit hin oder her, das ist es, was bei uns Erholung erzeugt. Wenn man so sehr in einer Sache gefangen ist, dass das tägliche Gedankenkarussell mal still steht.

      Ja, das mit der Achtsamkeit ist eine seltsame Geschichte, aber eine, die mich zunehmend fasziniert.

      Beste Grüße
      Sebastian

  3. Mir gefällt ehrlich gesagt der Begriff „friedvoller Krieger“ nicht. Krieg, egal ob im Inneren oder in Krisengebieten ist nunmal perse keine gute Sache und alles andere als friedvoll. Achtsamkeit heißt für mich: ich zerstöre nichts mutwillig, weder mich, noch in meiner Umwelt. Das passt nicht zum Krieger.
    Aber ich verstehe schon was du beschreibst und kann deinen Gedanken völlig folgen, auch wenn ich als fürchterlich unspiritueller Mensch solche Themen für mich eher pragmatisch behandele. Das Ergebnis ist aber offenbar ähnlich oder vielleicht sogar gleich. Routinen unterbrechen und trotzdem fokusiert zu bleiben, eine gewisse Empathie für sich selbst und für seine Umgebung aufzubringen, den Moment wahrnehmen … so würde ich zur Zeit (wir lernen ja immer noch dazu) umschreiben, was du als Achtsamkeit beschreibst. Von meinen Begriffs-Spitzfindigkeiten mal abgesehen und nur als Prozess betrachtet, ist Achtsamkeit für mich auf jeden Fall eng mit dem Laufen verbunden.

    1. Hallo Oliver,

      es war mir klar, dass die Bezeichnung des „friedvollen Krieger“ polarisiert – ist ja schließlich die Wortschöpfung eines amerikanischen Autors (i.O. peaceful warrior). Die mögen es wahrscheinlich etwas martialischer und griffiger, auch wenn es um interne Auseinandersetzungen geht. Objektiv betrachtet hast Du mit deiner Kritik daran zweifellos recht. Die Achtsamkeitslehre empfiehlt ja gerade mit sich selbst gnädig zu sein – also auch in den inneren Auseinandersetzungen.

      Mir gefällt diese Wortschöpfung dennoch, da sie meine persönliche Geisteshaltung recht gut trifft. Ich empfinde z.B. den Umgang mit meinen diversen Zipperlein schon oft als einen mir auferlegten Kampf. Ich liebe das Laufen, deshalb halte ich trotz aller Hemmnisse daran fest und gehe – zumindest bis jetzt – sogar bereichert aus dieser Auseinandersetzung hervor. Ich bin zwar langsamer geworden, aber ich beherrsche die Bewegungsform besser denn je und habe auch noch mehr Freude daran. Subjetiv betrachtet passt das Bild des friedvollen Kriegers also ganz gut für mich.

      Zur Spiritualität an sich habe ich auch ein gespaltenes Verhältnis, kann deinen pragmatischen Ansatz also gut nachvollziehen. Dennoch: je älter ich werde, desto mehr kann ich mich für solche Themen öffnen. Unser Verstand ist so begrenzt, dass ich mich nicht nur auf das beschränken möchte, was ich verstandesgemäß begreife.

      Beste Grüße
      Sebastian

  4. Lieber Sebastian,

    ich würde mich auch, wie Helmut Müller, lieber des Wortes “ bewusst “ bedienen. Für mich heute selbstverständlich, alles um mich herum bewusst mit allen Sinnen zu erleben, ein Lernprozess, der sich mit den Jahren entwickelt hat, je älter, je “ weiser “ ich wurde, je mehr ich weniger Gutes bei anderen und auch bei mir erfahren musste, umso stärker wurde der Wunsch, alles Angenehme bewusst zu erleben.

    So kann ich mit Freude und – um mich mit deinem Wort zu bedienen – Achtsamkeit, wie ich es gerade bei meinem letzten Post tat, Schönes um mich herum genießen, bin in der Lage, auch Alltägliches zu einem kleinen Fest werden zu lassen, weil ich weiß, dass es ganz schnell ganz anders sein kann – und dann entsteht für mich das, was ich Glück nenne – auch im Kleinen.

    Stürmische, nasse Grüße von ganz oben 😎

    1. Liebe Margitta,

      Ja, ich glaube auch, dass es ein Privileg der größeren Lebenserfahrung sein kann, dass man bewußter lebt. Ich schreibe bewusst „sein kann“, denn das ist beileibe kein Automatismus. Du machst das, soweit ich das als Leser deiner täglichen Beiträge beurteilen kann, sehr intensiv und hast obendrein eine grundpositive Einstellung. Ich glaube, dass Du dich deshalb auch nicht unbedingt weiter mit dem Begriff Achtsamkeit rumschlagen musst. Dennoch ist sie nicht deckungsgleich mit „bewusst leben“. Ich kann Dir das so spontan nicht darlegen, aber sobald ich die passenden Worte gefunden habe, lege ich nach.

      Beste Grüße aus dem stürmisch verregneten Süden
      Sebastian

  5. Achtsamkeit ist etwas, was wir leider viel zu schnell im Alltag vernachlässigen, wenn wir einfach machen… Um schöner, wenn man das Training wirklich mal ganz bewusst, achtsam erleben kann. Aber auch sich selbst dabei, seinen Körper, seine Gefühle und die Umwelt, jeden Stein und Ast auf dem Weg, die wehenden Blätter. Das sind wahre Genussläufe. Danke, dass du mir das mit deinem Beitrag auch wieder vor Augen führst.

    1. Hallo Din,

      Schön, dass Du hierher gefunden hast und Danke für Deinen Kommentar.

      „…Jeden Stein und Ast auf dem Weg, die wehenden Blätter.“

      Ja, das ist es, was auch ich so genieße. Klappt nicht immer, aber dann wüssten wir es vielleicht auch nicht so zu schätzen.

      Ich habe deinen letzten Yoga-Beitrag gelesen und ich denke, das beschriebene Yin Yoga könnte etwas für mich sein.

      Beste Grüße
      Sebastian

  6. Der „Krieger“ erinnert mich an die Bücher von Carlos Castaneda, einem Völkerkundler, der bei einem alten mexikanischen Indianer in die Lehre geht und einen inneren Weg beschreitet, der große Gefahren, aber auch Wissen, Weisheit und Macht verspricht.

    Als die Bücher rauskamen, stritten die Leser und Gelehrten, ob es sich um echte Feldforschung oder um Fiktion handelt. Eines stand aber für alle fest: der Weg des Kriegers (ein innerer Weg ohne Gewalt gegen andere Menschen) versprach eine massive Bewusstseins-Erweiterung. Und das war damals ein Hype. Mit oder ohne Drogen.

    Weniger dick wird bei der Achtsamkeit (und auch beim Zen) aufgetragen: es wird keine andere Wirklichkeit gesucht, aber es wird versucht, die Wirklichkeit (gibts die wirklich?) anders – intensiver, beglückender – zu erleben. Ich vermute, das ist auch das wesentliche Motiv dabei.

    Ich finde es prima, dass du das Thema hier bringst und es auch mit dem Laufen verknüpfst. Und dein Beispiel „2 Minuten an nichts denken“ ist genial, wirklich!

    Liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang,

      Von Castaneda habe ich noch nicht gehört, aber so wie Du sein Werk beschreibst, würde es mich nicht wundern, wenn Millman vielleicht sogar durch ihn mit beeinflusst war, als er seinen ersten Roman schrieb. Aber das ist jetzt natürlich Spekulation.

      Ich freu mich auf unseren Lauf in der nächsten Woche, du kannst mir in Bezug auf die Achtsamkeit sicher ein paar Fragen beantworten 🙂

      Beste Grüße und auf bald
      Sebastian

  7. Servus Sebastian,

    wie immer ein toller Artikel! – Danke dafür 🙂

    Zum Thema Achtsamkeit vielleicht noch ein paar Gedanken:

    Achtsamkeit wird ziemlich intensiv verwendet und so viele Menschen meinen damit so viele unterschiedliche Dinge.

    Und ich finde gerade das interessant 🙂

    Der Eine bezieht sich dabei auf seine direkte Meditationserfahrung. Ein Anderer sieht darin den Blick auf einen anderen Menschen. Wieder ein anderer fokussiert sich auf eine Tätigkeit, die er gerade achtsam ausführt. Und so gibt es mit einem einzigen Wort, einen ganzen Strauß an Themen, die man (für sich) erforschen kann.

    Und warum finde ich das gut? Ich finde verschwimmende Nominalisierungen nicht immer gut und leide gerade beim Thema Nachhaltigkeit. Der eine meint ökologische und soziale Verantwortung gegenüber dem Schwächsten – der Andere ökonomische und technische Machtsicherung für die Stärksten. Aber das ist ein anderes Thema …

    Bei dem Thema Achtsamkeit finde ich es gut weil sich das Wort nicht macht-technisch missbrauchen lässt. Es bezieht sich immer auf einen GUTEN Fokus – ob es ein Gegenüber ist oder das eigene Gefühl. Es soll etwas GUTES (im spirituellen Sinn) erschaffen werden.

    Und hier hilft es meiner Meinung nach ganz gewaltig, eine weitere Weltsicht zu erlangen, wenn ein Thema das für mich wichtig ist, von anderen Menschen anders interpretiert wird.
    Dann muss ich mich damit beschäftigen – ich könnte ja was neues GUTES entdecken. Es ist ein Selbstläufer! Dann wird das eine Wort Achtsamkeit zum Multiplikator.

    Für mich ist in diesen Tagen Achtsamkeit, einfach die Dinge die ich tue, so gut es geht bewusst zu tun und noch mehr Bewusstsein einzuüben. Das kann die Entscheidung des richtigen Kaffees sein, den ich kaufe oder eben das was Du mit „achtsam laufen“ beschreibst – jeden Schritt zu genießen und wirklich zu tun. 🙂

    Viele Grüße,
    Hans

    1. Hallo Hans,

      Als regelmäßiger Leser deines Blogs weiß ich, dass auch Du dich schon intensiv mit der Achtsamkeit auseinandergesetzt hast und deswegen freut es mich natürlich umso mehr, dass dir der obige Beitrag gefällt.

      Und Du hast natürlich recht, dass jeder achtsames Verhalten anders deutet und dass das auch gut so ist. Dass der Ansatz der Achtsamkeit grundpositiv ist, das sehe ich auch so. Das macht sicher einen Teil der Wirkung aus. Bist Du selbst achtsam, dann strahlst Du das aus und dann begegnen Dir auch andere mit einer positiven Grundeinstellung.

      Und ich bin gespannt, wohin dich deine intensiven Recherchen zur Nachhaltigkeit noch hinführen 🙂

      Beste Grüße
      Sebastian

        1. Moin Moin,

          Achtsamkeit läßt sich machtechnisch nicht missbrauchen. Wie wunderbar ausgedrückt. Das macht die Achtsamkeit zu etwas ganz besonderen, weil sie ausschließlich positiv besetzt ist. Wie auch immer wir sie leben.

          Danke Sebastian für den Artikel und Hans für den treffenden Kommentar.

          Viele Grüße aus dem Norden
          Volker

          1. Hallo Volker,

            Freut mich, dass Du Christians Link soweit in den Süden des Landes gefolgt bist 🙂 und ich gebe Dir ganz Recht, das hat der Hans gewohnt schön formuliert. Danke fürs Lesen und kommentieren.

            Beste Grüße
            Sebastian

  8. Achtsamkeit ist meiner Meinung nach etwas, was vor allem bei den Dingen geübt werden sollte, die wir freiwillig tun – wie z.B. das Laufen. Bei mir ist es so, dass ich als Jugendliche extrem Reizüberflutet war, ich habe alles überdeutlich wahrgenommen, sowohl positive wie negative Situationen und meine Umgebung. Ich bin schon immer ein Mensch gewesen, der sehr detailverliebt war und kreativ. Ich habe als Kind die meiste Zeit draußen in der Natur verbracht und mich beim Spielen immer in (m)einer Traumwelt befunden, habe in der Wiese kleine Behausungen gebaut und bin immer ganz nah rangegangen, sodass ich mich noch heute an Details und die Beschaffenheit von bspw. einzelnen Halme erinnern kann. So etwas prägt sehr und daher fällt es mir wahrscheinlich heute leichter, bewusst achtsam zu sein.
    Diese Reizüberflutung von der ich sprach, kam erst später, ich konnte plötzlich nicht mehr selektieren und alles prasselte auf mich ein, sodass ich oft das Gefühl hatte ohnmächtig zu werden.
    Erst als ich mit dem Laufen anfing, hatte ich einen Weg gefunden, der es mir erlaubte diesen Zustand auszubalancieren. Das funktioniert für mich jedoch nur, wenn ich einen gewissen Grad der Anstrengung erreiche, ich auf lange Sicht ein läuferisches Ziel habe und der Lauf nur dazu dient, an mir als Sportler zu arbeiten. Dann zählt nur die Bewegung, die Atmung, der Laufstil. Dabei passe ich auf, dass ich die Natur um mich herum trotzdem noch aufsauge, erinnere mich manchmal regelrecht daran.
    Am meisten merke ich es beim Traillaufen – wenn da vorher irgendwas passiert ist, was mich sehr beschäftigt, dann geht mir sofort die Konzentration flöten. Dabei merke ich, wie belastet und angespannt ich manchmal bin. Nach ein paar Kilometern, in denen ich mich auf jeden Stein und jede Wurzel fokussiert habe und es scheinbar nur noch den Berg und mich gibt, merke ich wie ich auf einmal nicht mehr an Morgen oder Gestern denke, sondern nur noch im Moment bin. Dann bin ich glücklich. Auch wenn ich danach zu Hause bin, dann bin ich gerne im Gestern, denn dann bin ich quasi noch in Gedanken auf dem Trail und das ist genau das was das Leben so lebenswert macht, wenn man fähig ist Minuten zu Stunden werden zu lassen und Kraft zu ziehen aus den Dingen die man gerne tut, um gerüstet zu sein für die Dinge die herausfordernd und schwierig sind.

    LG, Jamie

    1. Hallo Jamie,

      vielen Dank für deine interessanten Gedanken zu meinem Beitrag. Interessant finde ich, dass Du ein bestimmtes Anstrengungsniveau brauchst. Ich habe mal eine interessante Sendung zum Thema Laufen und Flow gesehen, in der die Durchblutung der Hirnregionen in der Belastung untersucht wurde. Veränderungen fanden da auch erst ab einem bestimmten Belastungsniveau statt, vielleicht hat deine Erfahrung genau damit zu tun.

      Egal wie und warum, einen Zustand zu erreichen, der dich zeitweise nur im Moment leben lässt, ist aus meiner Erfahrung absolut erstrebenswert und wohltuend. Ich habe bei größerer Belastung eher den Tunnel in Erinnerung als eine besonders geschärfte Wahrnehmung des Moments und der Umgebung, aber ich habe mich auch schon mehr als zwei Jahre nicht mehr aus meiner Komfortzone gewagt 😉

      Deine Erfahrung, dass die achtsamen Momente noch lange nachwirken, dass man sich gerne an sie erinnert, die teile ich hundertprozentig. Mir geht das auch oft nach dem Mountainbiken so, wenn ich in drei Stunden Fahrt vielleicht nur einmal für drei, vier Kurven im absoluten Flow war, das seitliche Driften gespürt habe und dabei gerademal ein „wow“ denken konnte… das wars dann absolut wert 🙂

      Schön, dass Du hier vorbeigeschaut und ein paar Gedanken da gelassen hast!

      Beste Grüße
      Sebastian

  9. Hallo Sebastian,

    Vielen Dank für diesen Blogartikel!

    Hast Du mal was von Scott Yurek gelesen? Er hat sich viel mit Laufen, Achtsamkeit und Meditation befasst und ich weiß, dass er ebenfalls „Der Pfad des friedvollen Kriegers“ gelesen hat.

    Ich las es vor vielen, vielen Jahren und habe mich (nach der Lektüre von Scotts Gedanken) auf der Suche nach einem neuen Exemplar gemacht. (Ich hatte es damals nur ausgeliehen) So bin ich zufällig auf Deinen Blog gestoßen. 😀

    Ein schöner Zufall!

    Sarah

    1. Hallo Sarah,

      Freut mich, dieser nette Zufall 🙂 und Danke dass Du davon auch berichtest!

      Ich habe Eat & Run von Scott Jurek gelesen, aber letztlich hat mich das, was andere über ihn schreiben mehr bewegt, als das was er selbst schreibt. Ist sicher ein klasse Typ und ein großartiger Sportler sowieso.

      Viele Grüße und schau mal wieder rein! 😉
      Sebastian

  10. Still sein und nur den Atem beobachten ..
    Still sein und nur die Gedanken zu beobachten ..
    Still sein und nur zu spüren das man lebt ..
    Still sein und nur zu Sein ..
    So einfach und doch so schwer.

    Laufen und Achtsamkeit, danke für den interessanten Artikel.
    VG. Günther

    1. Hallo Jens,

      das freut mich auch. Schön, dass Du damit etwas anfangen konntest. Ich bin leider noch nicht dazu gekommen in deinen Blog rein zu lesen, aber ich hole das kurzfristig nach.

      Beste Grüße
      Sebastian

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