Gut behütet im Regen

Von der passenden Kopfbedeckung beim Laufen

Wohl dem, der im rechten Moment gut behütet ist. Das gilt umso mehr, wenn man wie ich ohne oder – wo noch vorhanden – mit nur wenigen Millimetern Haarlänge unterwegs ist.

Seit wenigen Wochen ergänzt „The Tilley Hat“ mein Sortiment aus Laufmützen, Caps und Schlauchtüchern.

Man kann sicher darüber streiten, ob sich ein eher klassischer Hut mit umgehender Krempe zum Laufen eignet und wahrscheinlich noch mehr darüber, wie das aussieht. Mich hat er jedenfalls schnell überzeugt. Und das vor allem bei Regen.

 

Gut behütet im Regen

Ich mag Regen. Das könnte daran liegen, dass ich den Großteil des Jahres von Heuschupfen geplagt werde. Und ein kräftiger Regenguss hat da noch immer Erleichterung gebracht. Es mag aber auch daran liegen, dass ich als Läufer einfach gerne Wasser in greifbarer Nähe habe. Mein Sternzeichen Wassermann möchte ich als Erklärung eher nicht heranziehen.

Jedenfalls laufe ich auch nicht ungern bei Regen. Im Idealfall kommt der Regen aber erst während des Laufes, denn beim Loslaufen kostet er mich doch ein wenig Überwindung, vor allem wenn es kalt ist. Anders ist das bei einem schönen Sommerregen und angenehmen 15-20 Grad wie zuletzt.

Unter Wettkampfbedingungen spielt die passende Kleidung dabei eigentlich keine große Rolle, genauso bei den im Regen üblicherweise eher kurzen Trainingsläufen. Doch wie kleidet man sich bei Regen, wenn man mal länger unterwegs sein will?

Zumindest eine Antwort für die Kopfbedeckung habe ich jetzt gefunden: Mit dem Tilley Hat.

Der Hut lässt den Regen abperlen, und das nicht in den Kragen, sondern dank umstehender Krempe auf Schultern und Oberkörper.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den üblichen Lauf-Caps.

Da man den Oberkörper gerade bei kühlen Temperaturen auch gut mit einer Gore-tex-Jacke schützen kann, hat sich für mich die Bekleidungsfrage dadurch stark vereinfacht. Eine Gore-tex-Jacke mit Kapuze nämlich, kann ich beim Laufen einfach nicht brauchen, dazu schwitze ich zu stark. Außerdem mag die Geräuschentwicklung unter der Kapuze nicht.

Jetzt bräuchte ich nur noch eine gut belüftete Gore-tex-Jacke mit halben Armen und mein Regen-Outfit für längere Läufe wäre perfekt. An den Beinen und Füssen bin ich in Bezug auf Nässe ziemlich unempfindlich.

Warum ist eigentlich noch niemand auf eine Regenjacke mit halben Armen gekommen? Will sowas nur ich? Oder ist mir da was entgangen?

The Tilley Hat

Die Idee zum Kauf eines Hutes mit Krempe kam mir bei der Vorbereitung für die Ulmer Laufnacht. Die Wochen vorher verging nämlich kaum ein Tag ohne gewittrigen Wolkenbruch und ich wollte diesbezüglich nicht unvorbereitet sein.

Der erstandene Tilley Hat hat sich dann auch gleich bewährt. Allerdings anders als geplant ganz ohne Regen. Ich habe den Hut während der vielen Stunden einfach nie als störend empfunden, weder in der Nacht, als er mich bei kühlen 10 Grad vor dem Auskühlen bewahrte, noch am Tag, als er zuverlässig die Sonne abhielt.

Bei Sonnenschein kann ich mir dank der Krempe auch für lange Läufe die ungeliebte Sonnencreme sparen, ohne dass neuralgische Stellen wie Ohren und Nacken übermäßig gefährdet werden.

Die Regenprüfung hat der Hut dann in den letzten Tagen ablegen dürfen. Und da überzeugt er mich wie erwartet am meisten. Die Brille bleibt sauber, Gesicht und Nacken schön trocken. Dabei ist er überraschend atmungsaktiv und trotzdem perlt das Wasser außen schön ab. Ja, so stelle ich mir passendes Equipment vor.

Billig war er mit einem Kaufpreis von knapp 90€ zwar nicht, aber preiswert eben schon. Eine lebenslange Garantie gibt es bei Tilley obendrein. Und eine nette Gründungsgeschichte haben sie auch.

Der Tilley Hat (Modell: LT5B) gehört jetzt auf alle Fälle in meine Rubrik „Lieblingsteile“. Nur deshalb habe ich ihn hier beschrieben. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass ich den Hut ganz gewöhnlich gekauft habe, wie alles was ich beim Laufen so trage und in der Regel nicht beschreibe.

Zum Style

Ich mag den abenteuerlichen Touch, den der Hut seinem Träger verleiht, da bin ich ganz ehrlich. Gerade weil ich zunehmend lang und eher langsam unterwegs bin, trabe ich schon länger nicht mehr so gerne in engen Tights und Neonschuhen durch den Wald. Da passt so ein Hut einfach gut zu mir.

Aber keine Sorge – ich laufe jetzt nicht täglich mit Hut durch die Gegend. Der kommt tatsächlich nur bei den langen Kanten und im Regen raus. Und da passt er dann auch hin.

Nicht verschweigen möchte ich, dass meine Frau „das Ding“ eher argwöhnisch betrachtet – unumstritten schick ist er wohl nicht.

9 Gedanken zu „Gut behütet im Regen“

  1. Lieber Sebastian,
    netter Beitrag, aber irgendwie dünkt mich, Du musst Deinen Hut rechtfertigen, obwohl Du sehr überzeugt von Funktion und Design bist. Ich denke, wenn er Dir nützt und Du ihn funktionell findest, ist doch alles in Ordnung. Die Ehefrauen können oft nicht nachvollziehen, dass nicht alles chic sein muss, was beim Laufen Sinnvoll und nützlich ist, das kenn ich nur zu gut 😉
    Nein, nicht nur Du willst eine Gore-Tex Jacke mit halben Ärmeln, ich nämlich auch…und stell Dir vor, seit 2012 habe ich sogar eine 🙂 Leider wurde sie aber nur bis 2013 hergestellt, die Nachfrage war wohl zu gering, aber vielleicht findest Du noch eine in den Tiefen des Internet. Meine Beurteilung kannst Du auf jeden Fall hier lesen: https://regenlaeufer.wordpress.com/2012/11/19/gore-x-running-gore-tex-active-jacke/

    Salut

    1. Hi Christian,

      gefällt mir, dass Du meinen Wunsch nach einer Gore-Tex-Jacke mit halben Armen mal wieder nicht nur teilst, sondern sogar schon eine solche hast. Leider gibt es die nicht mehr, sonst hätte ich sie mir gleich bestellt. Mir gefällt nämlich auch die dezente Farbgebung 😉

      Das mit der Rechtfertigung nehme ich selbst eigentlich gar nicht so wahr, ich bin halt einfach ein zurückhaltender Mensch 😉

      Beste Grüße
      Sebastian

  2. Lieber Sebastian,

    unsere Häupter scheinen ähnlich bewaldet zu sein 🙂

    Was das Thema Mützen angeht, tue ich mich immer etwas schwer. Ich mag keine Caps, trage am liebsten Buffs oder vom Material her leichte Laufmützen. Einen Hut könnte ich mir nicht vorstellen.

    Aber das ist ja das schöne ist ja, wenn jeder das passende für sich finden kann.

    Zum Thema Kaputzen von den Jacken ticken wir gleich.

    Am schönsten ist es für mich aber, wenn mir warmer Sommerregen so auf die Birne prasselt 😀

    Viele Grüße
    Volker

    1. Hallo Volker,

      sanft bemoost trifft die Sache – zumindest bei mir – wohl eher 😉

      Und ja, so ein Sommerregen direkt auf die Kopfhaut, das gefällt mir auch. Bei Regenläufen bis zu einer Stunde halte ich es auch so, dass weniger Kleidung mehr Laufvergnügen bedeutet. Da würde ich zurzeit auch keine Regenjacke anziehen – nicht mal eine halbärmelige.

      Für längere Ausflüge finde ich den Hut halt ideal. Und an Kopfbedeckungen beim Laufen bin ich gewöhnt, da mir dank fehlender Haarpracht sonst gerne der Schweiß auf die Brille tropft oder in die Augen läuft. Und das mag ich weniger.

      Beste Grüße
      Sebastian

  3. Lieber Sebastian, scheinbar fühlt sich jeder anders gut behütet. Ich mag zb überhaupt nix gerne auf dem Kopf tragen, greife nur bei starker Sonne recht widerwillig zu einer leichten Kappe (oder bei derber Kälte zu einer Wintermütze). Buff-Tücher finde ich bei Kälte am Hals toll, aber nicht auf dem Kopf. Deine Tilley-Variante muss letztlich nur Dir gefallen und wenn der Zweck erfüllt wird, ist alles wunderbar. Aus der Kategorie „Über den Tellerrand schauen“ betrachtet, finde ich den Artikel richtig gut, es muss eben nicht immer das übliche Equipment aus der Läuferwelt sein.
    Beste Grüße, Oliver

    1. Hi Oliver,

      deshalb hab ich den Tilley Hat auch mal thematisiert – wird sicher auf keinem anderen Laufblog passieren 😉

      Ich kann schon nachvollziehen, dass Du gerne mit freiem Kopf läufst, aber wie schon geschrieben, mag ich weder Schweiß in den Augen noch auf der für mich obligatorischen Sonnenbrille. Jeder ist eben anders gebaut und gestrickt. wäre auch langweilig sonst. Und bei den Schuhen sind wir ja meist näher beieinander 😉

      Beste Grüße
      Sebastian

  4. Hi Sebastian,

    der Hut sieht sehr leicht aus. Und dein Bericht hat mich neugierig gemacht: hattest du schon Gelegenheit, den Hut bei starkem Wind zu tragen? Hält er gut am Kopf oder wird er von Böen leicht fortgeweht? Lässt er sich auch gut zusammenknautschen und in eine Gesäßtasche oder einen Laufgürtel stecken, wenn man ihn nicht mehr braucht, aber noch viele km vor sich hat? Ist er in der Maschine waschbar?
    Ich bin gespannt auf deine Erläuterungen.

    Danke dafür und liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang,

      Ja, der ist knapp 100g leicht (90 lt. Küchenwaage). Bei Wind hab ich ihn nicht getestet, aber er sitzt wirklich satt und kann ideal angepasst werden, da es ihn in 1cm-Schritten für quasi jeden Kopfumfang gibt. außerdem hat er zur Not noch einen Kinnriemen, den man auch kaum spürt. Ich lasse den bisher nur am Hinterkopf. Zu erwähnen sei in diesem Zusammenhang, dass es eigentlich ein Hut von Seglern für Segler ist 🙂

      Waschen (auch in der Maschine) wird sogar ausdrücklich und häufig empfohlen, da der Schweiß im Zweifel schädlicher für das Material ist.

      Er lässt sich falten und knitschen und in einem Laufgürtel bestimmt verstauen, nicht jedoch in der üblichen Gesäßtasche, dafür ist die Krempe zu voluminös (der Formstabilität geschuldet leicht unterfüttert). Ich bin aber nicht einmal während meiner 100km um Ulm auf die Idee gekommen, ihn wegzupacken, das sagt schon einiges – oder?

      Ich kann das Ding wirklich empfehlen 🙂

      Gruß Sebastian

  5. Ein recht interessanter Beitrag 🙂 Ich habe mich früher nie mit dem Thema Kopfbedeckung beim Laufen auseinandergesetzt, aber im Grunde scheint es ja doch ganz sinnvoll zu sein, einmal darüber nachzudenken.

    Viele Grüße, Sabine

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