Lärchenlaub im Laufschuh

Vom Untergrund und dem passenden Laufschuh

Die Laufschuhindustrie hat in den letzten Monaten wenig Geschäft mit mir gemacht, zumindest im Vergleich zu vergangenen Jahren. Ich kann sowieso fast nur noch Minimalschuhe (er)tragen und davon hatte ich zuletzt drei passende Modelle für die unterschiedlichen Distanzen und Bodenbeschaffenheiten. Mehr brauche ich nicht.

Da ich diese jedoch seit Monaten im Wechsel trage, sind die Gebrauchsspuren nicht mehr zu ignorieren, und wenn ich demnächst nicht ohne passendes Schuhwerk da stehen möchte, dann muss vorsorglich schon mal Ersatz her.

Mein Problem, das viele Läufer teilen: keines der drei Modelle ist noch in der erprobten Version erhältlich. Der einfachste Weg scheint da der Kauf eines Nachfolgemodells. Doch wer das schon hoffnungsvoll versucht hat, der weiß um die Tücken…

 

Ein Paar neue Laufschuhe bitte

Ich habe zum Glück nicht mitgezählt, aber die Laufschuhkäufe, die mich hinterher nicht hundertprozentig zufriedengestellt haben, sind zahlreich. Wahrscheinlich waren es ein paar mehr als umgekehrt. Meine Frau würde wohl sagen: unzählbar.

Zumindest in den letzten Jahren bin ich jedoch besser geworden. Ich weiß mittlerweile ziemlich genau, was ich am Fuss wirklich will.

Das ist grundsätzlich:

  • eine hohe Flexibilität,
  • Bodennähe,
  • null bis wenig Sprengung (= Gefälle Ferse zu Ballen) und
  • niedriges Gewicht.

Dazu brauche ich ganz individuell

  • einen breiten Vorfußbereich und
  • so wenig Fußbett wie möglich.

Abhängig vom Verwendungszweck kommen außerdem hinzu:

  • null bis wenig Dämpfung (letzteres für lange Läufe und Asphalt) und
  • ein angemessen griffiges Profil.

All das erfüllen auch meine drei Favoriten nur mit Abstrichen, aber eben gut genug.

Am ärgsten mitgenommen ist mein Merrel „trail glove“ der ersten Generation – ausgerechnet der, den ich derzeit am liebsten laufe. Das schien aber zunächst kein Problem, da es ihn – allerdings in der mittlerweile dritten Generation – noch gibt.

Folglich habe ich ihn probiert – Indoor testgelaufen – und hm…

Irgendwie hat sich der gleich anders angefühlt. Er saß nicht wirklich schlecht und manches gefiel mir sogar besser als beim alten, aber gekauft habe ich ihn dann doch nur mit einem flauen Gefühl.

Der erste Lauf mit neuem Schuh

„Gut ist ein Schuh für mich dann, wenn man beim Laufen nicht an ihn denkt.“

Das ist beim Einführungslauf mit einem neuen Paar Laufschuhe natürlich schwer, aber in der Tat schon vorgekommen, jedenfalls nach ein paar Minuten.

Diesmal lief es gleich nicht ganz so gut. Egal wie gut man ihn anprobiert, weiß man bei einem Laufschuh immer erst, was man gekauft hat, wenn man ihn ein paar Kilometer gelaufen ist. Das ist für mich mittlerweile eine Gesetzmäßigkeit.

Meine Hausrunde startet mit 700m Asphalt, und auf Asphalt merkt man recht schnell, ob irgendetwas am Schuh stört. Diesmal ist der Fersenhalt nicht ganz perfekt und – schlimmer – irgendwas drückt von unten in den Mittelfuß. Da, wo sonst nichts ist. Der Schuh hat also ein stärker ausgeprägtes Fussbett als ich es mir wünsche. Ich will am liebsten nämlich gar keines.

Alles nicht wirklich dramatisch, aber die erstne Zweifel bestätigen sich langsam.

Jetzt geht es auf Schotter, und es füllt sich wieder besser an. Und dann nach 1,3 km biegt mein Pfad in den Wald ein. Es folgt ein Wegstück, das ich liebe – und das, obwohl ich mir hier schon mal einen Außenbandriss zugezogen hatte:

Erdiger Waldboden mit ein größeren Steinen durchsetzt und darüber – Lärchenlaub.

„Ein dicke, weiche Schicht der feinen Nadeln, die sich nicht nur unvergleichlich gut anfüllen, sondern auch noch gut riechen.“

Lärchenlaub ist mein Favorit unter den verschiedenen Laufuntergründen, ganz knapp vor Pulverschnee – bei gleich gutem Laufgefühl bekommt man bei Lärchenlaub noch den guten Geruch on top – Waldluft deluxe quasi.

Am besten läuft es sich darauf natürlich im Herbst, wenn es ganz frisch ist. Aber auch auf überwintertem Lärchenlaub wie momentan laufe ich lieber als auf jedem anderen Untergrund.

Ein Schuh, der sich auf diesem Zuckerstück noch schlecht anfühlt, der kann eigentlich nur in die Tonne. So schlimm ist es beim neuen Merrell zum Glück nicht, aber das Lärchenlaub offenbart dennoch eine weitere Schwäche meiner Schuhwahl.

Lärchenlaub im Schuh

So sehr ich das Lärchenlaub unter meinem Schuh schätze, so sehr nervt es, wenn der Schuh nicht sockenähnlich sitzt. Denn dann findet es ganz schnell den Weg in den Schuh. Und was soll ich sagen, so ist es auch diesmal. Nicht extrem, aber dennoch nervig. Der Schuh sitzt also nicht richtig und das ist wahrscheinlich eine Mischung aus einer halben Nummer zu groß und zu steifer Sohle. Gerade letzteres nervt mich bei einem echten Minimalschuh.

Mein Fazit zum „Neuen“

Nachdem ich ihn jetzt mehrfach gelaufen bin und ihn etwas genauer untersucht habe, weiß ich langsam, wo er von der so gut passenden ersten Generation abweicht. Er hat eine steifere Mittelsohle in Form einer wenig flexiblen Stütze für das Fussgewölbe und die Fersenparte ist etwas breiter geraten als beim Vor-vor-Modell.

Schade, so wird er leider nicht zu meinem Liebling und ich habe langfristig wieder eine Schuhlücke zu füllen. Vielleicht läuft er sich aber auch noch etwas weich. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Lösung aller Schuhprobleme

Auf meiner läuferischen Wunschliste für dieses Jahr steht ja sowieso schon eine Weile das Laufen ganz ohne Schuh. Vielleicht war der erneute Fehlkauf auch nur ein Wink des Schicksals, langsam damit anzufangen. Die Temperaturen gehen ja schon in die richtige Richtung.

Was mich derzeit noch davon abhält?

Es läuft gerade einfach zu gut. Was blöd klingt, kann ich wie folgt erklären:

Seitdem ich strikt unter HF 135 laufe, läuft es sich dauernd besser. Ich bin erst gestern wieder mehr als zwei Stunden unterwegs gewesen, ohne dass ich hinterher irgendwelche Probleme hätte ausmachen können. Das einzige was neben einem guten Gefühl bleibt, ist eine gesunde Müdigkeit. Heute kann ich wieder los, als wäre nichts gewesen. Täglichlaufen ohne Reue.

Und deshalb dehne ich derzeit meine Laufdistanzen wieder etwas aus. Seit ich nämlich im Bereich zwischen HF125 und 135 wieder konstante 7:00 Min auf den waldigen Weg bringe, liebäugele ich seit langem mal wieder mit der Teilnahme an einem organisierten Ultralauf. Denn mit 65% der HFmax sollte auch ein Lauf über mehr als 6 Stunden für mich gesundheitlich unbedenklich sein. Und das ist für mich mittlerweile ein Fixziel. Und wenn ich trotz dieser niedrigen Intensität die 7:00 Min halten kann, dann komme ich auch nicht ganz hinten rein. Denn dafür reicht mein Selbstbewusstsein auch nach fast 3 Jahren wettkampffreier Gewöhnung ans lockere Laufen noch nicht ganz aus.

Idealerweise schaffe ich in den nächsten Monaten, das alles miteinander zu verbinden. Laufdistanz wieder ausdehnen, die kurzen Läufe barfuss absolvieren und zur Krönung einen kleinen Ultra oder Landschaftsmarathon obendrauf.

Wenn nicht, dann nicht. Hauptsache es macht weiterhin soviel Spaß wie momentan!

6 thoughts on “Lärchenlaub im Laufschuh”

  1. Hallo Sebastian. Die neuen Trail Gloves werden tatsächlich noch etwas weicher, brauchen aber schon einige Kilometer. Ich hatte die ja mal auf deinen Tip hin gekauft und mich anfangs auch etwas schwer getan, aber mittlerweile sind wir Freunde (grade bei Matschwetter im Wald schon mehrfach bewährt).
    Noch lieber allerdings laufe ich mit den Vapor Gloves, und bin mir fast sicher dass die auch was für dich wären. Weniger geht ja fast nicht mehr und (zumindest nach deiner Checkliste) erfüllen die alle deine Bedingungen.
    Und pass auf deine Gesundheit auf …
    Liebe Grüße, Oliver

    1. Hallo Oliver,

      das lese ich aber gerne, dass die noch etwas weicher werden. Im Nachhinein tut mir mein Tipp da ja fast leid, denn ich war der Optik nach eigentlich überzeugt, dass die denen der ersten Generation mehr ähneln, wenn schon nicht gleichen. Aber gut, dass Ihr noch Freunde geworden seid. Und die Vapor Gloves habe ich jetzt nach Deinem Kommentar endgültig auf der Wunschliste. Tue mir nur noch schwer, die sofort zu kaufen, wo ich doch gerade erst zugeschlagen habe 😉

      Und meiner Gesundheit schadet höchstens noch der Job, aber sicher nicht mein lockeres Laufen 🙂

      Beste Grüße
      Sebastian

  2. Lieber Sebastian,

    bin wieder ganz bei dir, alles, was du über Laufschuhe von dir gegeben hast, trifft auch für mich zu. Fehlkäufe, die ewige Suche nach DEM Schuh. Habe mittlerweile einen sehr guten Schuh gefunden, den ich derzeit nicht gegen meine Vorgänger-Schuhe eintauschen möchte, ich fliege damit sozusagen über die Piste, außer wenn ich einen Mini-Durchhänger habe !! 😉

    Auch deine Art zu laufen, entspricht ganz meiner, wobei mein Puls sich in der Regel im Bereich zwischen 115 und maximal 130 bewegt, bei längeren Strecken steigt er maximal auf 136. Auch ich laufe um den 7-er Bereich, wenn mich der Hafer juckt, dann fordere ich es auch mal heraus, ziehe an, um zu sehen, was ich noch kann, aber meist nur kurzzeitig, dann bin ich zufrieden, dass es noch möglich wäre – im Falle eines Falles !

    Auf der einen Seite ist es für dich sicherlich – besonders als Mann !! ;)- nicht so attraktiv, nicht mehr zu den Ersten zu gehören, den Vorteil aber sehe ich darin, dass du jetzt das in meinen Augen “ ideale “ Laufen kennenlernst und sogar mit großer Freude praktizierst.

    Was den 6 Stunden-Lauf angeht, tu es einfach, vergiss den Wettkampfgedanken, genieße das Laufen, der Vorteil an diesen Läufen, alle starten und beenden den Lauf zur selben Zeit, so dass es nicht völlig egal ist, wie viele Kilometer du schaffst, wenn du erst soweit bist, dann stimmt alles. Und immer daran denken, dass der Puls auch bei relativ langsamen Laufen bei 6 Stunden nicht in diesem Bereich bleiben wird.

    Ja, wir sorgen uns alle um dich !

    Sonnige Grüße von der Ostsee – traumhafter Tag wieder heute !

  3. Liebe Margitta,

    Schön, dass wir vieles so ähnlich sehen. Wir sollten wirklich mal zusammen laufen – vielleicht klappt es ja mal bei einem Lauf in der Mitte des Landes. Einen 6h-Lauf mit Dir als Mentorin, da könnte wohl nicht viel schief gehen 😉

    Sorgen sollte sich um mich niemand, das mache ich schon selbst mehr als genug, insofern besteht bei mir keine Gefahr mehr.

    Beste Grüße (diesmal aus Düsseldorf)
    Sebastian

  4. Hi Sebastian,

    selbst wenn du anfängst, die „Lösung aller Schuhprobleme“ anzugehen, so kann das zu Beginn ja immer nur ein kurzes Stück sein. Ohne ganz langsame Steigerung und sachte Gewöhnung ist das viel zu belastend. Von daher wärst du um den Schuhkauf sowieso nicht rumgekommen.
    Ich drück dir die Daumen, dass sich der Merrell schon bald besser mit deinem Fuß anfreundet und ihm den Vorrang lässt, was die feine Motorik betrifft.

    Liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang,

      ich werde das natürlich gaaanz langsam angehen lassen und werde meine Läufe bei wärmeren Wetter zunächst mit ein paar Barfussminuten am Ende ergänzen – ähnlich wie es Oliver macht. Zu Beginn wäre es wahrscheinlich sinnvoller, aber leider nicht so praktisch 😉

      Beste Grüße
      Sebastian

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