FlowRunner Sommerabend

Lauf an einem Sommerabend

Vom Laufen Im Sommer

Im Westen zeugt ein rotgelber Himmel von der gerade am Horizont verschwindenden Sonne, der ich die vergangene halbe Stunde noch mit verkniffenen Augen entgegengelaufen bin. Ich laufe gerne in die Sonne.

Oder sie kommt schräg von hinten, dann kann ich meinem Schatten folgen und je länger ich ihn beobachte, desto besser wird mein Bewegungsablauf. Als würden sich Schatten und Ego gegenseitig pushen.

 

Über Felder und Wiesen

Aus der Hitze meines Wohnortes bin ich hinausgelaufen, dorthin, wo schon ein leichtes Lüftchen von der erlösenden Kühle der Nacht kündet. Es riecht jetzt nach Hochsommer. Frisch abgeerntete Felder verbreiten den abendlichen Duft von leicht feuchtem Stroh, ein Aroma, das ich so gerne einatme und schon ganz automatisch mit angenehmen Sommerabenden verbinde.

Im Osten erklimmt der halbe Mond den Nachthimmel und gewinnt Minute um Minute an Höhe. Im dunklen Teil der Hemisphäre sind bereits die ersten Sterne zu erkennen und im Südosten leuchtet dieses Jahr der Mars, als wäre er selbst ein Stern. Etwas weiter tut es ihm die Venus gleich. Nie zuvor ist mir das aufgefallen.

Kein Waldlauf im August

Jetzt im August meide ich meinen Wald, den Ebersberger Forst, den ich sonst das ganze Jahr über dem Asphalt und den freien Flächen vorziehe.

Doch auch wenn es dieses Jahr nicht so schlimm ist wie in den Jahren zuvor, so ist der August die Hochzeit allen Getiers, das einen Stachel mit sich führt. Der Wald ist gerade fest in der Hand der Bremsen und Mücken.

Umso mehr werde ich in wenigen Wochen die ersten verregneten Waldläufe genießen.

Landwirtschaftliches Treiben

Mein Weg führt jetzt nach Norden und ich laufe vorbei an einzelnen Gehöften, in denen zu dieser Jahreszeit noch spät gearbeitet wird. Maisfelder dominieren immer mehr das Landschaftsbild, selbst hier im Süden. Wenn der Mais links und rechts neben dem Weg drei Meter hochsteht, dann empfinde ich das manchmal geradezu als bedrohend.

Das nächste Gehöft kündigt sich mit seinen laut blökenden Kühen schon von weitem an. Wahrscheinlich sind die Tiere genervt von den unzähligen Fliegen, die zu dieser Jahreszeit die Ställe heimsuchen, oder es ist ihnen auch einfach nur zu warm.

Entlang der Maisfelder steht die Luft und der unnatürlich blanke Erdboden hat die Hitze des Tages konserviert und gibt sie jetzt wieder ab. Passiere ich wieder Buschreihen und Wiesen ist die Luft sofort angenehm kühl.

Kalte Schauer

Fern jeden Gebäudes und abseits der Maisfelder wird es jetzt immer angenehmer zu laufen. Mittlerweile ist auch mein Abendessen vollständig verdaut und der Schritt wird leichter, je länger ich unterwegs bin.

Unerwartet laufe ich in ein richtiges Kältefeld. Es fühlt sich plötzlich an, als ob eine riesige kalte Hand von hinten nach mir greift. Stockfinster ist es an dieser Stelle. Eine nahe stehende Baumreihe hat den Mond fast vollständig verdeckt.

Eisig läuft es mir jetzt über den Rücken und ich drehe mich unwillkürlich um und scanne die Dunkelheit nach unsichtbaren Verfolgern.

Kopfschüttelnd über mich selbst setze ich meinen Lauf mit erhöhter Frequenz fort. Unglaublich wie schnell man sich bei einem Nachtlauf selbst beunruhigen kann.

Hitzespeicher: Asphalt und Beton

Die Baumreihe weicht, der Mond erhellt den Weg und ich nähere mich dem nächsten Ort. Nach wenigen hundert Metern ist der Radweg wieder von Straßenlaternen gesäumt.

Die kalte Hand ist vergessen und kaum passiere ich die ersten Häuser wird es unmittelbar warm. Von allen Seiten strahlen Asphalt und Hauswände nun die über den Tag gesammelte Wärme ab. Schrecklich muss es sein, jetzt in der Stadt leben und laufen zu müssen.

Aus den Gärten dringen vereinzelt Gemurmel oder leichtes Gelächter zu mir. Menschen, die nach einem anstrengend heißen Tag die laue Sommernacht genießen.

Laufen im Hochsommer

Den Hochsommer empfinde ich immer schon als die schwierigste Zeit zum Laufen. Ich war stets mehr der nordische Typ.

Dieses Jahr habe ich intuitiv gar nicht probiert, tagsüber zu Laufen. Ohne darüber nachzudenken, hat sich dieses Jahr ein anderer Rhythmus aufgedrängt.
An den Wochenenden, wenn ich mehr Zeit habe, dann genieße ich die schönen Sommertage lieber auf dem Rennrad, wo der Fahrtwind immer für ausreichend Kühlung sorgt.

Und unter der Woche habe ich meine Läufe einfach in den späten Abend verlagert, zunächst widerstrebend in Gedanken daran, dass die dunklen Läufe m Winterhalbjahr sowieso wieder unausweichlich werden.

Doch nach dem fünften oder sechsten spätabendlichen Lauf habe ich begonnen, diese zu genießen, denn Nachtläufe im Sommer sind anders.

Die Abende brachten endlich die ersehnte Abkühlung und die sportliche Betätigung lies mich endlich nach Herzenslust schwitzen, angesichts der nahenden Dusche, die einen endlich das klebrige Gefühl eines zu warmen Tages von der Haut schwemmen lässt.

Den ganzen Tag über versuche ich nicht schwitzen und tue es trotzdem. Jetzt endlich darf ich es und das gefällt mir.

Dieser heiße Sommer und ich, wir haben uns schließlich gut miteinander arrangiert.

Astern künden vom Sommerabend

Seit dieser Woche blühen die ersten Astern im Garten. Vor wenigen Tagen war die Wiese am Morgen erstmals wieder nass vom Tau der Nacht. Der Sommerabend ist da.

Die langen Abende werden schon seit Wochen kürzer und schon bald wird mich die Hitze beim Laufen nicht mehr beschäftigen. Er war schön, dieser Sommer. Und trotzdem freue ich mich jetzt auf den Herbst.

Ich liebe den Herbst – vor allem gegen Ende des Sommers.

Und egal zu welcher Jahreszeit, immer wenn sie sich ihrem Ende zu neigt, dann freue ich mich auf die nächste. Und dann empfinde ich es als ein großes Privileg, dass wir bei uns diesen faszinierenden und immer wieder erleichternden Wechsel der Jahreszeiten haben.

Laufen im Sommer kann ich dann nächstes Jahr wieder. Immer abends

2 thoughts on “Lauf an einem Sommerabend”

  1. Lieber Sebastian,
    die Melancholie in Deinem Beitrag ist allgegenwärtig und daher liest es sich gleich nochmals so gut. Der Sommer, wie er sich in diesem Jahr gezeigt hat, ist wirklich nicht sehr läuferfreundlich und dennoch laufen wir, egal ob am frühen Morgen, am Abend oder in der Nacht. Ich bin tagsüber in den Wald ausgewichen, dort lagen die Temperaturen fast immer gefühlt unter 30°C, aber v.a. war die Schwüle nicht so extrem, wie in den Tälern. Mücken und Bremsen gab es, waren aber nur lästig, wenn ich stehen geblieben bin, was ich fast vollständig vermieden habe.
    Die Touren mit dem Rad waren dafür fast immer erfrischend, dem Fahrtwind sei Dank, denn auch ich habe das Radfahren als Alternative bei mehr als 35°C genutzt.
    Danke für die Darstellung Deiner Betrachtungsweise und ja, die wahren Dunkelläufe kommen schon bald wieder…aber auch das geht vorüber 😉

    Salut

  2. Lieber Christian,

    das mit der Melancholie war mir nicht wirklich bewusst, musste den Beitrag gleich nochmal durchlesen. Es ist immer wieder interessant, was bei so einem Beitrag am Ende rauskommt, wenn man beim Schreiben kein klar definiertes Ziel hatte. Ich wollte mich einfach in Worten von der Hitze verabschieden und auch wenn ich ich sie nicht wirklich vermissen werde, ist etwas Wehmut wohl dabei.

    Radfahren und Sommer, das passt perfekt zusammen. Genau wie Laufen und Herbst. Insofern wird sich bei mir der Anteil jetzt wieder ein wenig verschieben.

    Danke für deine Wahrnehmung meines Beitrags, die immer sehr wertvoll für mich ist.

    Beste Grüße
    Sebastian

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