Laufen ist Abenteuer

Wie so ein kleines Laufabenteuer den Tag bereichern kann.

Ein paar Stunden zurück.

Vor etwas mehr als zwanzig Minuten bin ich losgelaufen. Die Wolken hängen tief und es regnet leicht. Von Beginn an war ich heute alleine unterwegs.

Die Fenster in den Häusern sind erleuchtet. Wahrscheinlich sitzen dort Familien bei Kaffee und Kuchen im wohlig geheizten Raum.

Und vielleicht ist ihnen dabei trotzdem nicht richtig warm, der Körper muss sich zurzeit erst wieder gewöhnen an feuchte 5 Grad Außentemperatur. Auch mir war es in den letzten Tagen selbst im Haus manchmal kalt.

Jetzt bin ich innerlich warm, und ich schwitze nur leicht. Das macht mich zuversichtlich, dass ich auch später nicht frieren muss, wenn die Energie nachlässt.

„Die Kleiderwahl war heute das erste kleine Abenteuer dieses Laufes.“

Trotz jahrelanger Erfahrung vertue ich mich da immer mal wieder.

Das nächste Abenteuer suche ich mir gerade.

Wir sind zu Besuch bei den Schwiegereltern im Frankenwald. Ein Laufrevier, das ich mittlerweile zwar gut kenne, aber eben nicht mein Heimrevier, in dem mir jeder Weg vertraut scheint.

Der Pfad, der rechts abzweigt, hat keine Wegmarkierung und war noch vor kurzem mit Springkraut und ähnlich hochwachsenden Pflanzen bedeckt und mehr oder weniger unpassierbar. Jetzt geht es wieder – ein klarer Vorteil der kalten Jahreszeit.

Und er führt in die Richtung, in die ich will.

Ich weiß nicht genau, wo er später enden wird, so bleibt ein wenig Spannung. Der Untergrund erfordert Konzentration, die Zeit verfliegt.

„Neue Wege zu probieren, ist meine bevorzugte Art, den Lauf spannender zu gestalten.“

Außerdem lässt sich die Laufzeit durch den einen oder anderen Umweg, den man dabei macht, zum Teil ordentlich verlängern, ohne dass es der innere Schweinehund mitbekäme.

Kurz später komme ich aus dem Wald, der Pfad wird wieder zum Weg und vor mir liegt ein einsames Gehöft. Der Weg führt mitten hindurch.

Einsiedeleien quere ich nur ungern.

Ja, das ist nicht rational, aber Ängste sind das selten. Was ist, wenn dort ein freilaufender Hund seine Revierwache zu ernst nimmt?

Die innere Stimme sagt: „Jetzt wird’s aber ziemlich lächerlich. Wie oft passiert Dir das?“ Und weiter: „Du Hasenfuss träumst von Trail-Abenteuern in den Rocky Mountains?“

Also durch. Bin in solchen Fällen schließlich schon oft genug aufwändig außen herum gelaufen.

Natürlich wartet kein Hund, nicht mal ein Huhn.

Meine Herzfrequenz hat die Querung dennoch gut befeuert. Also ganz locker und entspannt weiter. Achtsam sein und die Natur genießen.

Ganz schön dunkel ist das heute, und der Nebel wird auch immer dichter, oder sind das die tiefliegenden Wolken? Wann wird es eigentlich dunkel?

Eine Krähe schreit und bekommt Gesellschaft von weiteren lärmenden Artgenossen. Das ganze Jahr nimmt man die nicht wahr, aber jetzt im Herbst, da sind sie da. Die Atmosphäre bekommt jetzt einen Anstrich, der mir aus alten Filmen von Edgar Wallace und Alfred Hitchcock gemischt zu sein scheint.

Wird Zeit, sich über den Heimweg Gedanken zu machen.

Ich möchte zurück sein, bevor es mir doch noch kalt wird, und bevor meine Energie schwindet. Bin jetzt trotz geringem Tempo auch langsam nass. Auch Funktionsbekleidung funktioniert bei hoher Luftfeuchtigkeit eben nur eingeschränkt.

Nehme ich die Straße dort drüben, kann nichts mehr schief gehen und ich bin in zwanzig Minuten zurück. Oder doch den steilen Pfad weiter hinten, wo ich mal einer Rotte Wildschweine begegnet bin? – Es ist Herbst, da müssten die Ferkel doch schon recht groß sein und die Bachen entspannt …

Ich besinne mich und nehme den wesentlich schöneren „Wildschwein“-Pfad und treffe natürlich kein solches. Die haben besseres zu tun und sich wahrscheinlich ein gutes und trockenes Versteck im Dickicht gesucht.

Kurz später ist mein kleines, fast alltägliches, Laufabenteuer schon wieder vorbei und ich stehe minutenlang unter der heißen Dusche. Ein Hochgenuß. Wieder so ein kleines Privileg der kalten Jahreszeit.

Später beim gemeinsamen Abendessen schmeckt es mir ganz sicher am besten und mir ist warm wie den ganzen Tag vorher nicht.

Ein kleiner Waldlauf hat genügt.

Mir fehlt für heute absolut nichts mehr.

„Ich habe mich nicht nur bewegt, auch meinen inneren Drang nach dem täglichen kleinen Abenteuer und Naturerlebnis habe ich gestillt.“

Ein Verhaltensforscher würde es in Kurzform wahrscheinlich so ausdrücken: „Der Mann war Jagen.“

Klar, die „Diagonale des Fous“ oder das „Western States“ war das heute nicht, aber mir hat es genügt. Und es war so einfach.

„Diese kleinen Abenteuer, die jeder – bei nahezu jedem Lauf – erlebt, machen einen wesentlichen Reiz des Laufens für mich aus.“

4 thoughts on “Laufen ist Abenteuer”

  1. Erst einmal ein Wort zu deinem Läufer in deinem Header, gefällt mir, mal was ganz anderes, er ist gut drauf !!

    Auch der Verfasser dieses Textes macht mir Freude, von seinen Läufen zu lesen – Läufe ohne Zeitnahme, Läufe mit allen Sinnen,anders, auch das gefällt mir !

    Sonnige Grüße von der Ostsee 😎

    1. Ich danke Dir!

      Es freut mich ganz besonders, dass gerade Du als erfahrene Läuferin und Bloggerin es als „anders“ empfindest. Es gibt so viele gute Laufblogs da draußen und ich bin natürlich trotzdem in der Hoffnung angetreten, dass meine Sicht eine interessante Ergänzung sein kann.

      Beste Grüße vom FlowRunner

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