Laufen bei Stress

„Laufen hilft den Kopf frei zu bekommen, Alltagsstress zu vergessen und seelischen Müll los zu werden.“

Soweit zumindest die Theorie.

Dass sich Laufen langfristig positiv auf das individuelle Stressniveau auswirkt, möchte ich als leidenschaftlicher Läufer natürlich nicht bestreiten.

„Dennoch habe ich gelernt, dass Stress bei mir auch eine Anpassung des Trainings erfordert.“

Als Genussläufer meine ich damit nicht, dass ich wettkampfspezifische Einheiten streiche – die gibt es bei mir sowieso nicht mehr. Nein. Auch beim Grundlagentraining verlangt mein Körper, oder genauer gesagt mein Herz, eine Stress-Anpassung.

Ich bin allerdings ein typischer Herz- und Magen-Typ, d.h. bei Stress steigt mein Puls, und wenn es wirklich schlimm wird, dann bekomme ich zusätzlich Magenprobleme. Rein äußerlich merkt mir das kaum jemand an. Und lange habe ich das selbst nicht wirklich realisiert.

Diese Woche hatte ich mal wieder zwischenmenschliches Störfeuer im Job.

Therapie der Wahl: Waldlauf.

Als Sklave meiner Pulsuhr starte ich mittlerweile jeden Lauf mit einer Tagesformermittlung (Own-Index-Funktion), d.h. gehend. Mein Polar fordert dafür zwei Minuten im Pulsbereich zwischen 70 und 100 Schlägen pro Minute, dann zwei zwischen 100 und 130 und kurz später weiß ich, ob ich mich heute höher belasten darf als sonst oder eher niedriger.

Ich ging also los und die Uhr zeigte vom Start weg 10-15 Schläge mehr als normal.

Erkenntnis: ich habe Stress.

Wenn ich nur einen kurzen Lauf absolvieren und danach nicht gleich schlafen möchte, dann hake ich das meist ab, laufe im gewohnten Tempo und schaue einfach nicht dauernd auf die Uhr.

Bei längeren oder spätabendlichen Läufen wirkt sich das aber negativ auf meine Erholung bzw. mein Wohlbefinden aus, so dass ich für Stresstage mittlerweile eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Taktik anwende.

„Immer wenn meine Herzfrequenz 135 Schläge übersteigt (bei mir ca. 70% der HFmax), dann gehe ich ein paar Meter,“

bis er zurück in die Nähe von 100 Schlägen abgesunken ist. Dann laufe ich wieder locker an und wiederhole das Prozedere falls nötig.

Das war mir anfangs zwar peinlich, aber

„der Erfolg ist durchschlagend.“

Die Abstände der Gehpausen wachsen im Lauf sehr schnell an, so dass ich selbst an sehr schlechten Tagen selten zu mehr als 3 solchen Gehintervallen gezwungen bin. Und danach stabilisiert sich der Puls dann auf gewohnt niedrigem Niveau oder sogar darunter.

Deswegen wende ich diese Technik mittlerweile zusätzlich an, wenn ich sehr lange Trainingsläufe plane (auch ganz ohne Stress!). Bei langen Läufen fallen ein paar kurze Gehpausen kaum ins Gewicht und meinen Durchschnittspuls kann ich dadurch meist sichtbar drücken. Auch auf mein Wohlbefinden wirkt sich das dann positiv aus – ob psychisch oder physisch bedingt, das ist mir egal.

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