Das dicke Kind #Klimaschutz

Das dicke Kind

Das dicke Kind

Stell dir vor, Du hättest ein Kind, das den Tag am liebsten damit verbrächte, faul auf dem Sofa zu sitzen und zu naschen.

 

Du denkst lange, dem Kind geht es gut dabei und weil du es so gerne lachen siehst, gibst du ihm immer mehr zu naschen. Das Kind gewöhnt sich daran, und es wird noch bequemer und zunehmend rundlicher.

Eines Tages erklärt Dir der Kinderarzt, dass dein Kind zu dick ist und dass es höchste Zeit wäre, etwas dagegen zu tun, sonst werde das Kind sehr krank und müsste früh sterben.

Was würdest Du als Mutter tun?

Ihm weiter zu naschen geben und darauf hoffen, dass bald schon neue Super-Süßigkeiten auf den Markt kommen, die nicht mehr dick machen und dein Kind zu mehr Bewegung anregen?

Einfach darauf hoffen, dass schon alles gut gehen wird und dass der Kinderarzt sich irrt?

Oder würdest Du vielleicht anfangen, die Süßigkeiten zu reduzieren und dein Kind zu mehr Bewegung motivieren?

Warum ich das frage?

Nun ja, das dicke Kind sind wir.

Die Regierung ist unsere zunehmend besorgte, aber leider nicht sehr konsequente Mutter, und der Kinderarzt repräsentiert den Stand der Wissenschaft.

Und natürlich geht es nicht um Süßigkeiten, sondern um unseren Lebensstil und darum, dass wir uns damit gerade unserer Lebensgrundlage berauben.

Auch wir – das dicke Kind – verschließen uns dem Rat des Kinderarztes und drohen unserer Mutter mit Liebesentzug, wenn sie uns nicht weiter machen lässt wie bisher.

Leider verhält es sich auch mit unserem aktuellen Klima-Problem nicht anders als bei dem des dicken Kindes.

Schon bald sind die Schäden nicht mehr zu heilen, der dicke Leib des Kindes kaum mehr zu Bewegung fähig. Und das Tempo des Verfalls nimmt dadurch noch zu. Plötzlich reicht es nicht einmal mehr, die Süßigkeiten ganz zu streichen…

Doch welche Mutter würde es bei ihrem Kind soweit kommen lassen?

Im Gegensatz zur Mutter wird unsere Regierung gewählt, sie ist also darauf angewiesen, dass das dicke Kind – also wir! – endlich versteht und einsieht, dass es nicht immer mehr konsumieren und sich damit irreparabel schaden darf.

Doch sie traut sich nicht einmal, uns endlich offen und vehement zu sagen, dass es nur mit Verzicht noch eine Rettung geben wird.

Stattdessen verschließt sie sich weiter dem Appell der Wissenschaft und gibt sich tatsächlich der völlig irrationalen Hoffnung auf irgendwelche Neuentwicklungen hin, die weder ihr noch dem dicken Kind – also uns – etwas abverlangen und es dabei trotzdem noch retten.

Wie würdest Du auf eine solche Mutter reagieren?

Ich denke, das dicke Kind wird es ganz alleine begreifen müssen.

 

…was einem beim Laufen so alles durch den Kopf geht.

10 thoughts on “Das dicke Kind”

    1. Lieber Günter,

      es freut mich, dass Du immer wieder mal hier vorbeischaust. Das erinnert mich dann immer an unser gemeinsames „Laufabenteuer“, das für mich ohne Dich wahrscheinlich „schon“ nach 80km vorbei gewesen wäre.

      Beste Grüße
      Sebastian

  1. Bleibt die Frage offen wie lange das dicke Kind, d.h. wir und unsere Wirtschaft mit dem propagierten Verzicht leben oder besser überleben können. Und ob auch die anderen dicken Kinder mitmachen beim abspecken wie von einigen (FFF) gefordert.

    Denn lustiger weise ist diese Bewegung in diesem Ausmaß nur in Deutschland aktiv. Auch interessant, dass die Gründerin zwar in anderen Ländern bekannt ist und man durchaus anerkennt, dass sie was tut, aber ein solcher Wahn sie zu huldigen und ihr blind zu folgen nur in Deutschland statt findet.

    Aber zurück zum dicken Kind: Fragen wir doch mal die die auf dem Land leben wie sie die vorgeschlagenen Lösungen von FFF so sehen. Mit einem Arbeitsweg von bis zu 30 km, Mama natürlich eine andere Richtung als Papa, der nächste Supermarkt 7 km entfernt liegt, Ärzte usw. wieder woanders. Und wie diese ganzen Entfernungen, wohlgemerkt alles einfache Strecke, denn zurückgelegt werden können, mit Öffis jede Stunde wenn man Glück hat und selbst verständlich nicht in der Nähe der Einrichtungen liegend.

    Das dicke Kind ist außerhalb der Großstädte und Ballungszentren ganz und gar kein dickes Kind. Ganz im Gegensatz zu den meist sehr verwöhnten FFF Kindern und Anhängern.

    Ich selbst versuche übrigens trotz der beschriebenen Widrigkeiten ab und an in die Firma zu laufen, 15 km einfache Strecke, und zurück den Zug zu nehmen. Bin dann mit dem Zug bei doppelten Kosten auch nur die dreifache Zeit unterwegs im Vergleich mit dem Auto, was dann eben auch einiges an Planung voraussetzt.

    Vielleicht sollten alle mal anfangen ihr Hirn einzuschalten und vernünftige Lösungen zu finden anstatt viele Menschen einfach nur zu beleidigen und für dumm zu verkaufen. Da wäre dann nicht nur ich dabei sondern auch viele andere.

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Hallo Jana,

    mein Versuch eines Gleichnisses scheint bei Dir nicht so angekommen zu sein, wie ich das wollte. Das tut mir natürlich irgendwie leid. Vielleicht interpretierst Du aufgrund der allgemeinen Debatte aber auch ein paar Sachen mit hinein, die ich gar nicht geschrieben habe. Ich wollte kein Plädoyer für Greta oder Fridays-for-Future halten, habe sie doch nicht einmal erwähnt.

    Es ist nur so, dass ich immer noch fast täglich auf Menschen treffe, die nicht nur nichts von Klimaschutz wissen wollen, sondern tatsächlich daran zweifeln, dass er notwendig ist. Getreu dem Motto „ich will nichts wissen, was mich belasten könnte“ und folge lieber einer Meinung unter Hunderten anderen, wenn sie nur das sagt, was ich gerne glauben möchte. Beim Laufen habe ich heute deswegen darüber nachgedacht, wie ich es abseits von der Aussage „ im Grunde alle Wissenschaftler sind sich einig“ versuchen könnte.

    Eine Beleidigung kann ich in meinem Text nicht erkennen und wollte auch niemanden beleidigen. Auch mein Hirn hatte ich wohl eingeschaltet (wenngleich ich manchmal glaube, dass es sich anders leichter leben ließe). Aber vielleicht hattest Du das ja auch gar nicht auf mich und meinen Text gemünzt, sondern dir etwas von der Seele geschrieben.

    Und ja, je besser es den Menschen geht, desto eher denken manche davon auch über die Bewahrung ihrer Umwelt nach – daran kann ich nichts Schlechtes finden.

    Nicht mehr hören kann ich hingegen das Argument, dass ja die bösen anderen gar nicht mitmachen (hört man auch im Kindergarten dauernd – oder?) und dass unsere arme Wirtschaft so unter dem Klimaschutz leidet. Echte Wirtschaftsförderung heißt aus meiner Sicht längst nicht mehr, die Alteingesessenen zu schützen, sondern die Flexiblen, die das entwickeln, was der Markt zukünftig braucht – und das wird z.B. mit Verbrennungsmotoren immer weniger zu tun haben.

    Danke für deinen Kommentar, so konnte ich noch ein paar Erläuterungen los werden, die wahrscheinlich notwendig waren.

    Beste Grüße
    Sebastian

    1. Hallo Sebastian,

      vermutlich bin ich in meinem Kommentar auch ein wenig verallgemeinernd gewesen, z.B. das was ich mit Beleidigen meine. Das ist auf die derzeitige Gesamtsituation bezogen. Und natürlich hast du FFF oder Greta nicht erwähnt, trotzdem gehen sämtliche unsägliche aktuelle Diskussionen davon aus. Und mit unsäglich meine ich beide Extreme. Die die sich entspannt zurück lehnen und nichts wahr haben wollen genauso wie die die blind folgen.

      Und deshalb finde ich dein Gleichnis des dicken Kindes falsch. Ich finde nämlich, dass die die jetzt in den Talkshows hocken und vor allem die FFF Anhänger die Bezeichnung oder das Gleichnis des dicken oder besser verwöhnten Kindes verdienen. Da setzt sich ein Mädchen vor ein Parlament und auf einmal fangen alle die sich bis dahin einen Scheiß um irgendwas gekümmert haben auf und wollen eine 180° Kehrtwende …

      Aber ich bin bei dir – es kann nicht immer so weiter gehen. Aber ob der gegenwärtige Aktionismus, z.B. was die Dieseldebatte und den Verbrennungsmotor betrifft, zu irgendeiner Veränderung des Klimas oder besser noch des Bewusstseins für die Umwelt führen darf sehr stark bezweifelt werden. Eben weil es blinder Aktionismus ist und niemand wirklich nachdenkt.

      Der Verbrennungsmotor bzw. der E-Motor ist ein gutes Beispiel. Ist es wirklich sinnvoll komplett auf diese Technologie zu setzen? Bezweifelt wird dies inzwischen auch von Wissenschaftlern und die Akku Diskussion ist nur ein Grund dafür. Fakt ist auch, dass z.B. unsere Stromnetze nicht dafür ausgelegt sind. Würden alle in der Straße in der ich lebe im Laufe des Abends ein E-Auto laden wollen, gäbe es im ganzen Ort keinen Strom mehr, auch nicht für die E-Autos.

      Liebe Grüße
      Jana

      1. Hallo Jana,

        wahrscheinlich sind wir gar nicht sooo weit auseinander und meine Geschichte ist bei Dir einfach nicht angekommen. Vielleicht ist sie auch nicht besonders gut, aber immerhin hat sie unsere Diskussion angeregt.

        Zum Thema E-Mobilität möchte ich los werden, dass diese nie als alleinige Alternative zum Verbrennungsmotor geeignet war, das wurde aus meiner Wahrnehmung auch nie ernsthaft propagiert, allenfalls von Medien, die es sich gerne allzu einfach machen. Es wird nicht DIE Alternative zum Verbrennungsmotor geben, sondern nur eine Kombination aus verschiedenen alternativen Systemen, von denen eine die Elektromobilität ist. Zusammen mit der Brennstoffzelle, noch viel sparsameren Verbrennungsmotoren, mehr öffentlichen Nahverkehr, dem Fahrrad und auch dem schlichten Laufen zeichnet sich dennoch eine Alternative ab, die durch den Verzicht auf die ein oder andere Luxus-Reise hoffentlich rund wird.

        Die Zukunft wird kompliziert, wer meint, das ließe sich mit einfachen Lösungen meistern, der täuscht sich aus meiner Sicht.

        Leider wird das von den verantwortlichen Politikern so wenig erklärt, wie die Notwendigkeit auf Verzicht – und letzteres meine ich wirklich nur in bescheidenem Ausmaß.

        Das Klimaproblem ist global, also sollten wir unseren Lebensstil auch in einen globalen Kontext stellen, bevor wir fordern, dass doch die anderen auch endlich was tun.

        Ich bin da wirklich enttäuscht wie weit die Politik hier noch von der Notwendigkeit entfernt ist, aber Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut.

        Und Talkshows schaue ich mir sowieso nicht an, habe längst keine Haare mehr, die ich mir raufen könnte

        Beste Grüße
        Sebastian

  3. Lieber Sebastian,
    es gibt so viele „dicke Kinder“ und genau das macht es so schwierig, für mich auf jeden Fall. Ich schaff gar nicht alle Probleme aufzuzählen, geschweige denn Lösungen zu überdenken. Allerdings bin ich schon lange davon abgekommen, dass eine gewählte Vertretung respektive Regierung mir die Bahn frei machen muss, um etwas zu verändern. Wenn ich das Problem identifiziert habe, versuche ich auch in meinem direkten Umfeld das Problem zu lösen bzw. wenigstes anzugehen. Nicht einfach, aber auf andere verlassen muss ich mich in viele Dingen, wo ich selbst nichts ausrichten kann…

    Salut

    PS: Freut mich mal wieder von Dir zu lesen

    1. Lieber Christian,

      das Notwendige selbst in die Hand zu nehmen war noch nie ein Fehler. Und selbstverständlich fängt auch Klimaschutz bei jedem selbst an.

      Doch leider verhält es sich auch da wie so oft so, dass man das eigene Wohl zugunsten des allgemeinen nur beschränkt zurücknehmen möchte. Warum ich, wenn der nicht mitmacht?

      Und genau hier kommt der Staat und unsere Regierung ins Spiel. Wir brauchen den Staat, damit er für die Gemeinschaft regelt, was der einzelne nicht regeln kann – im Sinne des Gemeinwohls.

      Unsere Natur lässt sich nicht ohne staatliche Regelungen bewahren, dafür gibt es jahrzehntelange Erfahrungen aus Zeiten, in denen über das Klima noch gar nicht geredet wurde. Hier ist der Staat und im Falle des Klimaschutzes die Staatengemeinschaft gefragt und das fordere ich ein, wie im übrigen auch Greta und FFF und viele mehr. Wir haben ein Recht darauf, dass das für uns geregelt wird. Warum? Siehe oben.

      Dass Du da Zweifel hast, kann ich nur zu gut nachvollziehen.

      Danke für deinen Kommentar, freut mich, dass Du immernoch hier kommentierst, obwohl ich selbst nicht besonders aktiv bin.

      Beste Grüße
      Sebastian

  4. Moin Sebastian,

    ein absoluter Zufall, dass ich heute auf Deinem Blog gelandet bin und dann gleich diesen tollen Artikel lese. Ich finde den Vergleich mit den dicken Kindern sehr treffend und erlebe auch gleich eine entsprechende Reaktion eines solchen Kindes: Sofort wird wieder mit den Fingern auf andere gezeigt, sofort wird wieder gesagt, wie den die armen armen Leute mit diesen oder jenen Lebensumständen mit den notwendigen Veränderungen klarkommen sollen.

    Wie blind muß man sein, dass wir ach so schrecklich um unseren Wohlstand und unsere Bequemlichkeit bangenden Menschen von den Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt betroffen sind? Wenn im Sommer Felder verdorren und bei Starkregen Häuser volllaufen sind das die ersten konkreten Auswirkungen. Wenn dann in Zukunft erst vermehrt Straßen überschwemmt oder weggerissen werden und Stürme unsere Häuser verwüsten, wird es niemanden mehr interessieren, ob der nächste Supermarkt 7 km und die Arbeit noch weiter entfernt ist.

    Die Hetze die eine Greta Thunberg und FFF teilweise erleben (obwohl Du die ja gar nicht erwähnt hattest) zielen genau in die gleiche Richtung. Das ist reiner Populismus um sich bloß nicht bewegen zu müssen. Das Geschrei dieser Menschen wird sich aber ins Gegenteil umkehren, wenn sie erst selber noch konkreter und negativ vom Klimawandel betroffen sind. Dann werden sie ihre Mäuler aufreißen und schreien warum niemand etwas getan hat.

    Es tut mir leid, dass mein Kommentar vielleicht etwas aggro rüberkommt, aber ich kann das Zerreden und Lamentieren nicht mehr hören. Einfach anfangen und handeln! Und um positiv zu enden: Wer sagt denn, dass Investitionen in Klima- und Umweltschutz, sprich in unsere Zukunft, nicht zu wirtschaftlichen Erfolg führen können? Momentan sind da meine Hoffnungen in die Wirtschaft sogar fast größer als die in die Politik. Wenn es eng wird, konnte der Mensch schon immer unglaublich kreativ sein.

    Viele Grüße
    Volker

  5. Hallo Volker,

    das ist genau der Zufall, den ich gerade brauchte , freut mich, dass wir das ähnlich sehen. Ich glaube auch, dass es längst wirtschaftlich sinnvoll ist, auf den Klimawandel zu reagieren und die notwendigen Alternativen zu entwickeln. Leider greift der Staat hier aus meiner Sicht eher verzögernd als beschleunigend ein, indem er bestehende Wirtschaftszweige noch stützt, obwohl allen klar sein müsste, dass man sie nicht mehr braucht. Das ist nicht ökonomisch.

    Wo ich weniger Hoffnung habe als Du ist, dass es die Industrienationen durch die eigene Betroffenheit durch Naturereignisse endlich verstehen werden. Die wirklich krassen Veränderungen finden doch weit entfernt statt…

    …d.h. wenn man mal von den daraus resultierenden Völkerwanderungen absieht, die unweigerlich zumehmen werden. Diese ließen sich nur durch eine andere Klimapolitik eindämmen, die maßgeblich durch die behindert wird, die am liebsten eine Mauer um Europa ziehen würden. Wie grotesk das alles ist.

    Deswegen sollten wir wohl auch nicht müde werden, dafür zu kämpfen, dass es doch noch anders kommt.

    Beste Grüße
    Sebastian

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