Laufen mit Arthrose

Kampf dem Verschleiß – über das Laufen mit Arthrose.

In der Konsumgesellschaft ist Verschleiß allgegenwärtig. Er ist dort nicht einmal negativ belegt, denn unsere Wirtschaft braucht ihn. Ohne immer schnelleren Verschleiß lassen sich Wirtschaftswachstum und Wohlstand nicht so einfach aufrechterhalten. Schon so mancher Hersteller soll an der Haltbarkeit seiner Produkte eingegangen sein.

Auch wir Läufer sind dem Verschleiß gegenüber nicht immer negativ eingestellt. Der Kauf neuer Laufschuhe zum Beispiel lässt sich vor dem eigenen Gewissen (und der Frau) einfach besser rechtfertigen, wenn das alte Paar deutliche Verschleißspuren aufweist.

Doch wenn es um den körperlichen Verschleiß geht, dann hört der Spaß für uns Läufer schnell auf. Häufig kämpfen auch wir dabei mit dem Verschleiß der Gelenke, den man bei überdurchschnittlicher Ausprägung als Arthrose bezeichnet.

 

Laufen mit Arthrose (Gelenkverschleiß)

Der Gelenkverschleiß bezeichnet die Schädigung der Knorpelschicht in den Gelenken. Die Schädigung kann verschiedene Ursachen haben, die selten eindeutig ermittelt werden können. In der Regel geht ihr eine Überbeanspruchung des Gelenks voran (z.B. durch Sport oder Übergewicht).

Sie kann die Folge einer Gelenkentzündung (Arthritis) oder einfach traumatischen Ursprungs sein. Auch angeborene Veränderungen der Knorpelschicht oder Gelenkfehlstellungen können eine Arthrose begünstigen. Zusätzlich werden Stoffwechsel-Anomalien und Medikamente als Auslöser diskutiert (vor allem Antibiotika aus der Klasse der Gyrasehemmer).

Mann unterteilt die Arthrose je nach Ausprägung der Knorpelschädigung in vier Stadien. Wobei mit dem ersten Stadium Rauigkeiten und eine Ausdünnung der Knorpeloberfläche beschrieben werden. Im vierten Stadium fehlt die Knorpelschicht partiell vollständig, so dass es bereits zur Abnutzung des Knochengewebes kommt (vgl. Wikipedia.org).

Läufer bemerken einen Gelenkverschleiß meist zuerst im Knie- oder Hüftgelenk, da diese beiden Gelenke beim Laufen stark beansprucht werden. Und es scheint offenkundig, dass sich eine vorhandene Schädigung durch die Laufbelastung auch noch verstärken kann.

Doch es kann auch umgekehrt sein und hier beginnt meine persönliche Geschichte zur Arthrose.

Meine Erfahrungen mit der Arthrose (Kniegelenk)

Dass ich selbst unter einer Arthrose im Kniegelenk leide, weiß ich seit dem Frühsommer 2010. Eine Computertomografie brachte den Verschleiß ans Licht, nachdem ich beim Lauftraining zunehmend Probleme mit meinem rechten Knie hatte.

Ich hatte nach mehreren Jahren Pause 2009 wieder mit dem Training auf lange Distanzen begonnen und mein Wochenpensum bis auf 80km gesteigert, doch dann begannen die Probleme. Knieschmerzen kannte ich auch vorher schon, doch sie verschwanden stets von selbst wieder. Dieses Mal nicht.

„Mein rechtes Bein verlor auf dem Höhepunkt der Knieschmerzen durch die ungewollte Entlastung so sichtbar an Muskelmaße, dass mich meine Frau kurzerhand zum Arzt schickte.“

Bei der ärztlichen Untersuchung stellte sich heraus, dass der Knorpel hinter meiner rechten Kniescheibe stark beschädigt ist (Stadium 2-3), was zur Folge hat, dass immer mal wieder ein Stückchen Knorpel abspringt und im Gelenk zermahlen wird, was sich dann durch einen starken Druckschmerz vor allem beim Treppensteigen äußert.

Zunächst war die Diagnose natürlich ein Schock. Denn das Unschöne an Knorpelschäden ist, dass sie mehr oder weniger irreparabel sind. Der mir empfohlene Spezialist riet mir damals zum Glück von einer Operation ab, denn die Chance auf eine wesentliche Verbesserung dadurch bezifferte er mit etwa 50%. Sein Fazit: solange man den Schmerz aushalten kann, sollte man nicht operieren.

Wichtig war für mich seinerzeit auch folgende Hilfestellung: Solange das Knie nach dem Laufen nicht anschwillt, sei gegen ein moderates Lauftraining nichts einzuwenden.

Es folgte das für mich in solchen Situationen obligatorische Bücherstudium und im Ergebnis eine konsequente Neuausrichtung meines Laufstils.

Der Weg zum schmerzfreien Knie

Zunächst experimentierte ich aber mit anderen Schuhen, sowie diversen Präparaten zum Einnehmen, von Chondroitin und Glucosamin bis hin zum Ackerschachtelhalmpulver. Ich musste mir aber eingestehen, dass dadurch langfristig keine Verbesserung zu erzielen war. Es wäre der einfache Weg gewesen und der funktioniert eben selten.

„Ich ging also den anstrengenden Weg und begann mit der Umstellung meines Laufstils.“

Der wichtigste Schritt für mein Kniegelenk war rückblickend, den Fußaufsatz unter den Körperschwerpunkt zu bekommen (statt davor), und von der Fersenlandung auf den Vor- bzw. Mittelfußaufsatz zu kommen.

Außerdem wirkt sich ein direkter Bodenkontakt (wenig Dämpfung) bei mir positiv auf einen sauberen Laufstil aus und der entlastet das Gelenk zusätzlich.

Das Ergebnis ist hörbar bzw. eben nicht mehr hörbar. War ich früher – wie die meisten Läufer – schon von weitem hörbar, ernte ich heute im Vorbeilaufen meist erschrockene Gesichter, da ich quasi aus dem Nichts auftauche.

„Mein Fußaufsatz ist so sanft geworden, dass man ihn kaum mehr hört.“

Ich möchte an dieser Stelle nicht verschweigen, dass meinem Knie zusätzlich wohl auch die erzwungene Temporeduzierung durch meine später diagnostizierte Herzerkrankung zu Gute kam.

Kurioserweise habe ich heute nur noch Probleme mit dem Knie, wenn ich nicht laufe. Zuverlässig am dritten Tag ohne Lauf wird das Treppensteigen wieder spürbar. Eine solche Pause kommt aber kaum mehr vor.

Die beste Methode, den Knorpel mit Nährstoffen zu versorgen, ist einfach Bewegung und eine damit einhergehende regelmäßige leichte Erschütterung. Das trägt zur Versorgung des Knorpels bei. Ackerschachtelhalm und Co. brauche ich dafür nicht mehr.

„So ist das Laufen für mein geschädigtes Knie zur besten Therapie geworden.“

Am Knorpelschaden an sich wird sich dadurch wenig ändern. Es ist grundsätzlich umstritten, in wie weit sich ein Knorpel regenerieren kann. Der besuchte Spezialist sagte mir seinerzeit, eine erneute Kernspinaufnahme könne ich mir sparen, solange es nicht schlechter würde. Die Hoffnung auf eine bessere Diagnose zu einem späteren Zeitpunkt konnte er mir einfach nicht geben.

„Die Hoffnung auf weniger Schmerzen und eine Fortführung meines Sports hingegen war berechtigt. Knapp 6 Jahre später bin ich in Bezug auf die Arthrose bis auf weiteres sorgenfrei.“

Fazit

Registriert man als Läufer ernsthafte Verschleißerscheinungen, ist es für eine Heilung oft zu spät. Anders als in der Welt der Konsumgüter ist ein Austausch eben nicht möglich.

Hätte ich das mit zwanzig schon auf dem Schirm gehabt, dann wäre mir wohl so mancher Verschleiß erspart geblieben. Auch meine Herzerkrankung ist letztlich eine Verschleißerscheinung, die ich mir mit dem notwendigen Wissen hätte ersparen oder zumindest verschieben können.

Aber man kann den Umgang mit Verschleißerkrankungen lernen. Und wenn es rechtzeitig geschieht, durch besseres Wissen und Erfahrung zumindest teilweise kompensieren, was einem verloren gegangen ist.

Ich träume heute wieder ganz offen von der erfolgreichen Teilnahme an einem 100-km-Lauf und meine Chancen dafür stehen besser als noch vor zwei Jahren.

Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir bei einem solchen Unterfangen meine Gesundheit weiter schädige, dürfte eher gesunken sein.

„Schöpft man erst einmal nicht mehr aus dem Vollen, lernt man mit seinen Ressourcen umzugehen.“

Und das macht mitunter sogar Spaß.

12 thoughts on “Laufen mit Arthrose”

  1. Lieber Sebastian,
    Du scheinst alles richtig gemacht zu haben, der richtige Zeitpunkt und die richtigen Maßnahmen sind enorm wichtig um wirklich noch einmal das Ruder herum zu reißen.
    Bin ja nicht vom Fach, deshalb habe ich Deine Ausführungen genossen und zur Kenntnis genommen. Wobei ich immer dachte, dass Übergewicht eine der Hauptursachen für Arthrose sei?

    Salut und schön moderat weiter trainieren

    1. Lieber Christian,

      Das mit dem richtig machen ist immer auch eine Momentaufnahme. Ich hoffe, das bleibt so.

      Und bitte, lass mich nicht dumm sterben. Wenn Du etwas zur Kenntnis nimmst, dann passt da offenbar etwas nicht. Bitte lass mich daran teilhaben, denn ich bin ja nun wirklich nicht vom Fach und für jede Berichtigung dankbar, denn dafür ist die Kommentarfunktion doch auch da. Etwas falsches will ich auch unwissentlich nicht hier stehen haben 😉

      Zum Übergewicht: da wirst Du Recht haben, denn Gewicht bedeutet Belastung. Und Belastung, so sie zu groß ist, beschleunigt den Verschleiß natürlich.

      Zumindest In meinem Fall war das sicher nicht ursächlich, da ich bei Körpergröße 1,70 nie mehr als 70 kg gewogen habe, und das nur sehr kurz. Mein Gewicht liegt meist unter 65 kg. Aber für den zu hohen Blutdruck, zu dem ich neige, gilt ja das gleiche – Übergewicht ist die häufigst genannte Ursache.

      Irgendwie ungerecht, dass ich unter typischen Übergewichtsfolgen leide, obwohl ich nie welches hatte 😉

      Woher die Belastung kommt, spielt wohl leider keine Rolle, wenn sie zu groß ist.

      Beste Grüße
      Sebastian

      1. Nein, ich meinte das Ernst, habe den Beitrag mit großem Interesse gelesen, denn ich habe wirklich fast keine Ahnung von diesem Thema. So kann ich auch keine Ungereimtheiten entdecken, alles gut.

        Salut

        1. Da bin ich aber erleichtert 🙂 fürchtete schon irgendwo einen Bock geschossen zu haben. Ich bin immer etwas unsicher, wenn ich meine Erfahrungen mit angelesenem Fachwissen unterfüttern möchte. Aber ganz ohne geht es wohl nicht 😉

          Gruß Sebastian

  2. Lieber Sebastian,

    Achtung: Unwissenheit, die durch deinen Post mein Wissen ein wenig bereichert hat. Arthrose, ja schon mal gehört, aber nicht mehr, als das übliche, was man eben so weiß, ist mir ebenso bekannt, dass Bewegung dann besonders dann Not tut.

    Herzprobleme – auch hier ist mein Wissen auf das beschränkt, was man liest und hört.

    Dass du beides mit dir herum tragen musst, ist schon heftig. Hättest, wärst, wenn bringt hier sowieso nicht weiter. Gut, dass du dich damit auseinandersetzt, andere würden wohl resignieren. Du lebst damit und hast Hoffnung.

    “ Schöpft man erst einmal nicht mehr aus dem Vollen, lernt man mit seinen Ressourcen umzugehen.“ Schöner Satz, kommt mir bekannt vor.

    Kann mich Christian nur anschließen: schön moderat weiter trainieren.

    Du spielst schon mit dem Gedanken, irgendwann wieder (hast du schon mal ? ) einen 100 Kilometer-Lauf zu starten, eine riesige Belastung für beides, aber ich verstehe deine Träume ganz besonders gut.

    Pass‘ gut auf dich auf
    Danke 😎

  3. Liebe Margitta,

    Ach, ich beklage mich nicht, naja… jedenfalls nicht mehr 😉

    Zum 100er: das „wieder“ bezieht sich auf das träumen nicht auf das absolvieren. Mein bis dato längster Lauf war 60 km lang. Mein längster offizieller 50km.

    Da sich meine körperlichen Problemchen eher auf das Tempo auswirken, erscheint es mir nur logisch, dass ich (so ich noch Ziele brauche) die Distanz ausbaue.

    Ich gehe da aber sehr geduldig ran und warte auf meinen Moment. Dieses Jahr möchte ich erst noch etwas mehr an meinem Körpergefühl arbeiten (barfuß, achtsam, ohne Pulsmessung…). Das brauche ich, damit ich auch mental fit genug für 100km bin.

    Liebe Grüße
    Sebastian

  4. Ich hab ganz ehrlich immer wieder großen Respekt vor solchen Geschichten. Und sehe es einerseits als Ansporn nicht aufzugeben falls mir mal irgendwas ähnliches passiert, aber auch als Mahnung eventuelle Warnhinweise des Körpers rechtzeitig ernstzunehmen.

    Pass gut auf dich auf.

    1. Hi Oliver,

      Respekt musst Du da keinen haben. Es ist nicht schwer, das weiter zu verfolgen, was man liebt – eher das Gegenteil. Auch wenn die Bedingungen sich ändern. Sollte das jemanden anspornen, dann bin ich natürlich doppelt froh – denn dann hat das Geschreibsel neben dem Spaß, den ich daran habe, noch einen angenehmen Nebeneffekt 🙂

      Und nichts bleibt wie es ist.

      Beste Grüße
      Sebastian

  5. Hallo Sebastian,

    Endlich finde ich mal wieder die Zeit, mich in einen Deiner Beiträge zu vertiefen. Die Kniiegeschichte ist für mich besonders interessant, denn ich bin auch meinen Knieschmerzen davongelaufen.

    Es war allerdings keine Arthrose, sondern eine chronisch Tibiakopfentzündung, die mir so manchen Tag und vor allem einige Nächte zur Hölle gemacht hat. Seit ich aber regelmäßig laufe, ist davon nichts mehr zu spüren.

    Ich bin noch heute ein wenig zornig auf all jene Experte, die glaubten, sie müssten mir in jungen Jahren Schonung verordnen. So ein Mist. Die haben mir glatt mindestens zwei Jahrzehnte Laufspaß vorenthalten.

    Aber was soll’s. Es gilt, die Gegenwart zu genießen und sich darüber zu freuen, wie gut es geht. Trotz meiner Begeisterung für Born to run habe ich allerdings den Umstieg auf das wirkliche Natural Running nicht geschafft. Aber zumindest laufe ich in der Regel deutlich mehr auf dem Mittelfuß. Geräuschlos ist das allerdings nicht 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

  6. Hallo Rainer,

    Du bist mit deinen fast täglichen Läufen zwischen 10 und 20km, und das in ordentlichem Tempo, so gut unterwegs, da würde ich auch nicht an größeren Umstellungen des Laufstils arbeiten. Dein Laufstil bekommt Dir ganz offensichtlich und dein Spaß am Laufen ist in jedem Beitrag lesbar.

    Außerdem brauchst Du ja noch ein Projekt fürs nächste Laufjahrzehnt 🙂

    Du liegst auf alle Fälle richtig, wenn Du das JETZT genießt!

    Beste Grüße
    Sebastian

  7. Vielen vielen Dank …

    ich hatte vor ca. einem Jahr das Laufen für mich entdeckt und meine Motivation stieg immer mehr an. Vor allem weil es sich auf der Waage wiederspiegelte. 39J, 1,81cm bei 93kg war einfach etwas zu viel Gewicht auf den Beinen.

    Nach ca. 3 Monaten waren ca. 8kg runter und meine Strecke betrug ca. 30km/Woche.

    Nach diesen 3 Monaten war ich bereit einmal die 21…km zu laufen. Es lief alles ganz gut bis auf ein Zwicken im rechten Knie.

    Ich machte eine Pause, aber es wurde nicht besser. Nach 3,5 Monaten Pause ging ich zum Arzt. Diagnose alter Innenmeniskusschaden und einen Kniebinnenschaden Stufe 3-4.

    Nun betreibe ich seit 2 Monaten Muskelaufbau für meine Kniee und habe das Laufen schon abgeschrieben.
    Mein Arzt meinte ich könne auch mal 5km laufen, aber mehr …. davon rät er mir ab.

    Dabei war ich so entschlossen EINMAL einen Marathon zu laufen.

    Vielleicht kann ich durch bedachtes Training und dem Hören auf meinen Körper an meinem Wunsch festhalten.

    Ich danke dir für deinen Artikel, denn dieser macht mir weider Mut es viellleicht doch noch einmal unter Beachtung der Kriterien zu versuchen.

    Viele Grüße
    Matthias

  8. Hallo Matthias,

    danke für Dein Feedback. Es freut mich natürlich, wenn ich dazu beitragen konnte, dass Du den Kopf sportlich nicht in den Sand steckst. Übers Knie brechen sollte man in deinem Fall im Wortsinn natürlich nichts. Dass der Arzt Dir 5km zugesteht, halte ich aber für ein gutes Zeichen. Ich würde mich darauf fokussieren, in Bewegung zu bleiben und das möglichst täglich. Muss ja nicht mal im Laufschritt sein.

    Mit etwas Abstand merkst Du dann schon, wenn wieder etwas mehr geht und dann kannst Du wieder behutsam steigern.

    Ich wünsche Dir einfach, dass Du es schaffst, jetzt trotzdem in Bewegung zu bleiben (egal in welchem Tempo) – das ist für einen gesunden Körper aus meiner Sicht das a und o. Und wenn Du das schaffst, dann glaube ich fest daran, dass auch ein Marathon wieder in Reichweite kommt.

    Beste Grüße
    Sebastian

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