Schnee

Laufen auf Schnee ist wunderbar. Stille um mich herum, ein unvergleichlich sanfter Fußaufsatz und natürlich Abwechslung.

Doch wo bleibt der Schnee? So langsam verliere ich die Geduld und erwäge schon merkwürdige Dinge…

Wünsche an das Universum?

„Bestellungen beim Universum“ ist der Titel eines ziemlich esoterischen Buches, das mir ein Arbeitskollege einst empfohlen hat. Quintessenz des Werkes: Wenn du dir etwas nur intensiv genug wünschst und fest an die Erfüllung glaubst, dann bekommst du es auch.

Mit dem zweiten Teil, dem „daran glauben“, habe ich leider so meine Schwierigkeiten. Wahrscheinlich hat es deswegen noch nicht so richtig funktioniert.

Aber ich versuche es trotzdem noch einmal und wünsche mir hiermit endlich etwas Schnee zwischen den Trail und meine Laufschuhe.

Laufen auf verschneiten Wegen

Ich liebe das Laufen auf frisch gefallenem Schnee. Der sanfte, fast geräuschlose Fußaufsatz ist für mich durch keinen anderen Untergrund zu toppen. Der frisch gefallene Schnee dämpft alle Umgebungsgeräusche. Nur noch das Atemgeräusch und ein sanftes Knirschen vom verschneiten Boden begleiten den Lauf.

Im Idealfall schneit es während des Laufes, dann hört man sogar die fallenden Schneeflocken und sonst fast nichts mehr – herrlich.

„Eine frische Pulverschneeauflage von 5-10 cm ist für mich das Optimum.“

Und mit weniger Schnee, egal welcher Konsistenz, laufe ich immer noch lieber als ganz ohne. Mit mehr macht es zwar auch Spaß, erfordert aber Konzentration beim Fußaufsatz und Zurückhaltung beim Abstoß.

Rein optisch steigt das Vergnügen mit der Höhe der Schneeauflage. Ein tief verschneiter Wald ist für mich bei Tag und Nacht ein himmlischer Anblick.

Vorsicht Achillessehne

Aber der Schnee birgt auch so manche Tücke. Gerade ein aktiver und kräftiger Fußabdruck überfordert schnell die Achillessehnen. Je höher die Schneeauflage desto wahrscheinlicher wird es, dass man sie reizt. Das ist mir früher öfter mal passiert, da ich seinerzeit noch mit wesentlich mehr Kraftaufwand gelaufen bin.

Eine Ursache ist wohl im häufigen „Durchrutschen“ während des Abdrucks zu suchen, und die andere gilt vor allem für Läufer, die mit der Ferse aufsetzen. Der Fersenaufsatz vergrößert die Gefahr für die Achillessehne dadurch, dass man den Schnee mit der Ferse stärker komprimiert als mit dem breiteren Vorfuß, und deswegen hinten tiefer eintaucht. Das hat zur Folge dass die Achillessehne bei jedem Schritt etwas überstreckt wird.

Auf Schnee bewährt sich meine jahrelange Laufstilanpassung also auch in dieser Hinsicht.

Durch den Vor- bzw. Mittelfußaufsatz und das Abheben des Fußes von der Ferse beginnend – ohne aktiven Abdruck – bewege ich mich auch bei größeren Schneehöhen ideal.

Wenn der Schnee hinderlich wird

Natürlich gibt es durch Schnee auch Bedingungen, die das Laufen eher beeinträchtigen. Ganz naheliegend – aber zunehmend selten –  ist das der Fall, wenn zu viel Schnee gefallen ist. Bei mehr als 20 cm läuft es sich nur noch bei sehr trockenem Pulverschnee rund.

Wesentlich häufiger wird man, vor allem gegen Ende des Winters oder nach Tauperioden, mit festgetretenem Altschnee oder gar Eisplatten konfrontiert. Die machen das Laufen schnell zum Eierlauf und belustigendem Ereignis für Passanten.

Aber selbst unter solchen Bedingungen kann es mit dem richtigen Schuhwerk Spaß machen und ein gutes Stabilitätstraining ist ein solcher Eistanz natürlich auch, zumindest wenn er gut geht. Denn die Gefahren sind bei Eis wirklich nicht zu unterschätzen.

Spaß durch Abwechslung

Ein besonderer Reiz des Laufens auf Schnee liegt für mich wahrscheinlich darin, dass es bei den meisten Läufen im Jahr eben keinen solchen hat. Schnee bedeutet Abwechslung.

„Der verschneite Wald verheißt nicht nur ein anderes Laufgefühl, sondern bietet auch dem Auge ein gänzlich neues Bild.“

Schnee bedeutet für mich Licht. In einer verschneiten Winternacht ist die Stirnlampe überflüssig und das Unwohlsein, wie in meinem Beitrag „Angst beim nächtlichen Waldlauf“ beschrieben, hat keine Chance.

Schnee bedeutet für mich grundsätzlich etwas Positives. Er steht für mich – neben dem beschriebenen Laufspaß – für Freundlichkeit, Stille und Andacht.

Selbst die hässlichste Betonwüste, das langweiligste Industriegebiet und die alte Kiesgrube werden durch ihn wunderschön übertüncht.

„Wenn frischer Schnee gefallen ist, bin ich sofort wieder das glückliche und aufgeregte Kind, das es zum Spielen hinaus zieht.“

Also bitte, rätselhaftes Universum, ich bestelle hiermit Schnee für meine Hometrails und alle, die meine Leidenschaft für ihn teilen.

4 Gedanken zu „Schnee“

  1. Ja der Wunsch wäre klar. Mit dem Schnee kommt die Ruhe in die Läuferadventszeit.
    Die Nächte werden hell und die Schritte zum leisen Schweben.
    Wenn ich neben meinen Weihnachtswünschen, für die Welt und die Familie noch einen eigenen formulieren darf, dann würde ich mich gerne dem Schneewunsch anschließen 🙂

    1. Hallo Hans,

      Ja, diese Ruhe wäre jetzt genau das Richtige 🙂 Es ist aber leider kein Schnee in Sicht und so müssen wir uns wohl mit frühlingshaften Laufbedingungen trösten. Und Du hast natürlich Recht, dass es ein eher banaler Wunsch ist. Wie die Suche nach dem best geeigneten Laufschuh, der tollsten Laufuhr und und und… Laufblogthemen eben 😉

      Beste Grüße
      Sebastian

  2. Lieber Sebastian,

    schließe dich heute in mein Nachtgebet ein, mögen deine Träume und Wünsche bezüglich des Schnees in Erfüllung gehen. Stimme dir voll zu, frisch gefallener Schnee ein Traum, später allerdings, wie wir es hier 2010 erlebt haben, mit monatelangen Eis- und Schneebrocken, da hört bei mir die Lust auf, wie ich schon berichtete.

    Der Winter hat ja noch nicht einmal angefangen, und dort, wo du wohnst, ist die Wahrscheinlichkeit sowieso höher als bei uns, bin schon sehr gespannt, wenn du hier über deinen ersten Schneelauf euphorisch berichten wirst, hoffentlich nicht so “ nackig “ wie dein Läufer auf dem Bild !! 😉

    Also, weißt ja, Daumen sind gedrückt – Ehrensache !! 😎

    1. Liebe Margitta,

      Na dann wird es sicher bald schneien 🙂 …auch wenn die Prognosen anders aussehen. Mein biegsames Maskottchen war natürlich dankbar, dass er – mangels echtem Schnee – von meinem Junior in Watte angerichtet wurde, bei angenehmen 20 Grad 😉

      Beste Grüße
      Sebastian

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