100 Kilometer zu Fuß

Die Ulmer Laufnacht – 100 Kilometer zu Fuß

Irgendwo in der Nähe von Ulm – wieder bei Tag. Mein Blick ist starr und ich fixiere seit Minuten die Laufschuhe meines Vordermanns. Tapp linker Fuß, Schotter knirscht, tapp rechter Fuß, tapp linker Fuß… hin und wieder spritzen Steine zur Seite.

Ich wage einen Blick nach vorne und da – endlich, endlich erkenne ich das ersehnte Schild. Jetzt sind es nur noch fünf Kilometer. Doch die können sehr lang sein.

Neunzehnmal habe ich diese Distanz seit dem Aufbruch gestern Abend bereits zurückgelegt. Ich bin in den Sonnenuntergang hineingelaufen, habe mich durch eine sternenklare und kalte Nacht bewegt und auf neue Energie mit der aufgehenden Sonne gehofft. Doch mit dem Tag kamen auch die Schmerzen. Verblieben sind fünf Kilometer, eine läppische Steigung, und ich werde trotzdem noch eine volle Stunde unterwegs sein…

 

Mein Traum vom 100-Kilometer-Lauf

Schon seit Jahren träume ich davon, einmal 100 km am Stück zu laufen. Letztlich war ich aber nie so weit, mich tatsächlich anzumelden. Nach jedem gefinishten Marathonlauf wurde mir das Ausmaß dieses Traumes ein bisschen zu groß. Waren nicht schon 42 Kilometer hart genug gewesen?

Und egal wie locker ich einen Marathon gelaufen war, ich musste mich zum einen immer erstmal erholen davon und war zum anderen eigentlich schon wieder zufrieden mit mir. Gerade letzteres ist mir sehr eigen, was mich nicht gerade zum Ultraläufer prädestiniert.

2012 nahm ich mich erstmals der konkreten Planung eines 100-km-Laufes an und hatte den Ulmer Nachtlauf für mein Debut auserkoren. Aber die Vorbereitung lief nicht wie geplant und ich kam nur selten über 50 Wochenkilometer hinaus, so dass ich mich, als es an die Anmeldung ging, schon von vornherein für die 50-km-Option entschied. Nach gut fünfeinhalb Stunden Nachtlauf im Ziel der 50km-Strecke habe ich diese Entscheidung auch nicht bereut.

Im Jahr darauf nahm ich dann an meiner bis zu diesem Wochenende letzten Laufveranstaltung teil, dem schönen Fichtelgebirgsmarathon. Und nur ein paar Wochen später erteilte mir dann mein Kardiologe erstmal ein Marathonverbot.

Warum jetzt plötzlich doch?

Mit Beginn des Frühjahrs und der nochmaligen Reduzierung meiner Laufintensität (frei nach Maffetone) habe ich wieder Lust bekommen, das Thema 100-km-Lauf noch einmal anzugehen. Ich habe mich an die niedrigen Laufintensitäten gewöhnt, und auch mein Ego kommt mit dem Rum-eiern immer besser zu Recht.

Und da man erstmal da anknüpfen sollte, wo man vorher aufgehört hat, schienen die 50km bei der Ulmer Laufnacht auf neuer Strecke nicht die schlechteste Gelegenheit dazu. Einzig die Tatsache, dass ich selbst bei idealem Verlauf unter Einbehaltung meiner neuen Pulsgrenze mindestens eine halbe Stunde länger brauchen würde, stresste mich noch ein wenig. Naja, dafür würde ich auch entspannter ankommen.

Dass ich jetzt auf der 100-km Variante unterwegs bin, kommt ganz spontan dank der neuen Anmeldeoption für einen Start als sog. IVV Volkswanderer. Diese Option verspricht nicht nur ein üppiges Zeitlimit von 21 Stunden, sondern vor allem ein entspanntes Umfeld, fernab jeder Wettkampfatmosphäre.

Genau das Richtige für mein Herz. Und so gebe ich ihm diesmal nach.

Ernsthaft vorbereitet darauf am Stück 100 Kilometer zu laufen bin natürlich nicht – muss ich auch nicht. Ich werde ja einen großen Teil einfach wandern können.

Unter Speed-Hikern

Freitag, kurz vor 19 Uhr. Um mich herum sind gut 50 sogenannte IVV Volkswanderer versammelt. Eine interessante Mischung. Vor mir steht eine wettergegerbte Mittvierzigerin, die aussieht, wie gerade aus der 4-Deserts oder Racing-the-Planet Ausschreibung geschlüpft, weiter hinten eher ein richtiger Wanderer, erkennbar am deutlich festeren Schuhwerk. Letztere sind hier jedoch die Ausnahme. Zusätzlich fallen auf: Finisher-Shirts vom Bieler Hunderter bis zum Comrades-Lauf und jeder Dritte geht mit Stöcken auf die Strecke.

Ich bin völlig gelöst, in der Ausschreibung war von zunächst gemeinsam zu laufenden 16 Kilometern im Tempo zwischen 5 und 6km pro Stunde die Rede. Gerade recht um warm zu werden und danach langsam davon zu traben. So zumindest dachte ich mir das.

Der Start ist dann eine ganz neue Erfahrung für mich. Nicht was das Tempo an sich angeht, sondern was das Wander-Tempo angeht. Es läuft erstmal keiner, alle gehen – nur eben nicht in dem Tempo, in dem ich gehen kann. Weil keiner läuft, versuche auch ich mich zurückzuhalten und das Tempo irgendwie gehend zu halten – ein Fehler. Schnell zwickt es hier und da.

„Ich wusste ehrlich nicht, dass man so schnell gehen kann.“

Ein geschlossener Bahnübergang mit Zwangspause nach nicht mal 2 Kilometern sorgt für mentale Entspannung und ich finde meinen Rhythmus in einem Wechsel aus lockerem Lauf und einem für mich gerade noch machbaren Wanderschritt. Schon jetzt geht, läuft oder stöckelt jeder sein Tempo.

Erste Gespräche mit den mich umgebenden Volkswanderern, von denen jetzt auch ein paar andere zwischen Laufen und Wandern wechseln, bringen etwas mehr Licht in mein Dunkel. „Die zwei da vorne“, klärt mich ein netter Österreicher mit der Erfahrung von 97 Läufen über 100km und mehr auf, „die laufen regelmäßig 200km und mehr. Das sind zwei ganz gute, die werden am Ende noch das gleiche Tempo laufen wie jetzt.“ Auch unter den Hikern gibt es Profis.

Zum Glück sind auch ein paar von meiner Sorte unterwegs. Genußläufer, die die 100 Kilometer einfach etwas druckloser angehen möchten. Einer davon ist Günter, mit dem ich anfänglich sporadisch und später – ohne dass es einer Absprache bedarf – dauerhaft ein Tandem bilde. Auch er ist mit vier erfolgreichen Teilnahmen beim Bieler Hunderter deutlich erfahrener als ich, aber auch knapp 20 Jahre älter. Seine Begleitung wird mir noch guttun.

Die Ulmer Laufnacht

Die Strecke des Ulmer 100-Kilometer-Laufes führt über 4 Runden von 30 und 20 Kilometer Länge, die im Wechsel je zweimal durchlaufen werde. Vorteil: man kommt bei Kilometer 30, 50 und 80 durchs Ziel, sodass man ggf. benötigte Wechselkleidung gut deponieren kann. Nachteil: die einfache Aufgabe-Option. Zumindest der Zieldurchlauf bei Kilometer 80 ist nichts fürs Willensschwache.

Insgesamt werden ca. 150 Läufer und Wanderer die komplette Strecke angehen, und ziemlich genau die Hälfte wird dieses Ziel auch erreichen. Hinzu kommen unzählige Läufer, die die Distanz als 2er, 4er oder 8er Staffel bestreiten, so dass man den Staffellauf durchaus als Kern der Veranstaltung betrachten kann. Alternativ zur 100km-Strecke kann man auch über 50km als Einzelstarter auf die Strecke gehen und zwar wahlweise bei Nacht (Start 23 Uhr) oder bei Tag (Start 4:00 Uhr). Siehe auch: www.ulmer-laufnacht.de.

Der Lauf ist hervorragend markiert und die Verpflegungsstellen bieten alles, was man braucht. Der Hauptstart der Läufer (Einzel- und Staffel) wird durch ein phantastisches Feuerwerk untermalt und findet um 23 Uhr statt.

Die Strecke folgt meist Feld- oder Waldwegen, höchstens 30% der Wege sind asphaltiert. Die Streckenführung ist landschaftlich sehr reizvoll und weist manch giftige Steigung auf. Es geht unter anderem viermal durchaus bemerkenswert lang und steil aus einem Flusstal auf die jeweilige Anhöhe. Der teilweise durchnässte Boden tut diesmal ein übriges, dass Bestzeitenjäger nicht zu beneiden sind. Alles in allem recht anspruchsvoll. Im Nachhinein waren die vermeintlich einfachen Teilstücke in den Flusstälern für mich die schwersten, da sie sich mangels Abwechslung lange hinzogen.

Bis Kilometer 50 – der reine Spaß

Nach etwa 10 Kilometern Strecke habe ich meinen Rhythmus gefunden. Bergauf gehe ich bedächtig um den Puls unter 75% meiner HFmax zu halten, bergab lasse ich es ganz locker laufen. In der Ebene wechsele ich zwischen leichtem Lauf und schnellen Schritt. Ich genieße meine erste Laufveranstaltung seit fast 3 Jahren in vollen Zügen und kann mein Glück kaum fassen, dass ich mittendrin stecke in meinem 100 Kilometer-Abenteuer. Die Gespräche mit Günter und anderen verkürzen die Zeit zusätzlich.

Den einzigen echten Hänger während der ersten 50 Kilometer habe ich kurz nach dem ersten Zieldurchlauf bei Kilometer 30, der wegen des gerade erfolgten Starts des Hauptlaufs etwas chaotisch erfolgt. Wir wähnen uns ein paar Minuten auf der falschen Strecke und kehren sogar kurzzeitig um, bis endlich ein paar Mitläufer die erlösende Bestätigung bringen.

Ab Kilometer 50 – Neuland

Nach dem zweiten Zieldurchlauf bei Kilometer 50 wird es dann doch langsam zäh. Der Wechsel zwischen lockerem Lauf- und Wanderschritt fällt mir zunehmend schwer. Außerdem führen die ersten Kilometer der dritten Runde über einen asphaltierten Radweg. Es ist immer noch stockdunkel, wenngleich schon kurz vor 4 Uhr der erste Lichtstreif am Horizont zu erkennen ist. Jetzt gehen auch die Gesprächsthemen langsam aus. Schmerzen habe ich aber nur in den Beinen und das erscheint nur konsequent.

Ab Kilometer 60 betrete ich Neuland. Noch nie bin ich in einem Stück weiter gelaufen. Jeder zusätzliche Kilometer bedeutet jetzt einen Rekord. Die Dämmerung setzt ein und auch die kalten Hände tauen langsam wieder auf.

Doch hoppla! Wie schauen meine Hände denn aus? Angeschwollen und rot sind sie.

Bei Günter schauen sie zum Glück genauso aus, was mich ein wenig beruhigt. Ein paar Fingerspiele mit den steifen Händen bringen Besserung. Wahrscheinlich eine Folge der hängenden Arme beim Gehen.

Das spräche natürlich für mehr Laufen, aber gerade jetzt hänge ich durch. Ich überlege mir immer wieder, wie lange ich noch bis zum nächsten Zieldurchlauf brauchen werde und stelle erste Überlegungen an, es dort gut sein zu lassen. 80 Kilometer wären schließlich auch eine neue Bestmarke. Mein Begleiter jedoch lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er auch die vierte Runde mit mir zusammen angehen und gar nichts Anderes zulassen wird. Da hilft nicht mal, dass ich jetzt das Tempo zunehmend verschleppe und auf ihn einrede, er möge doch vorauslaufen – und sein Tempo gehen. Er weicht einfach nicht von mir.

Zu allem Überfluss kommt jetzt auch noch ein bestens gelauntes Mädel von hinten und wünscht uns fröhlich davon laufend einen wunderschönen guten Morgen. Wie Recht sie hat. Und sie sieht dabei aus, als wäre sie gerade erst losgelaufen. Jetzt muss ich doch wieder schmunzeln – was für ein Waschlappen ich sein kann.

Ab Kilometer 80 – einen Fuß vor den anderen

Als wir uns auf die letzten zwanzig Kilometer machen ist der Sieger gerade ins Ziel gekommen, und das obwohl er vier Stunden nach uns gestartet ist. Klasse.

Aufgeben ist beim dritten Zieldurchlauf bei Kilometer 80 dann doch kein Thema mehr. Es ist einfach klar, dass es mich mehr Kraft kosten würde, den Abbruch Günter zu erklären, als die letzte Runde doch noch irgendwie abzureißen.

Und ganz abgesehen davon habe ich auch keinen ernsthaften objektiven Grund vorzuweisen:

  • Füße: keine einzige Blase und auch sonst ok.
  • Gelenke: ok.
  • Sehnen: ok.
  • Magen: ok.
  • Kopf: leer.
  • Beine: verdammt schwer und schmerzend.
  • Puls: anfangs höher als erwartet, dümpelt er jetzt nur noch bei 120 rum.

Ich habe schlicht keine gravierenden Verschleißerscheinungen vorzuweisen. Hinzu kommt, dass wir noch mehr als 8 Stunden Zeit haben für die letzten zwanzig Kilometer. Da finde noch nicht mal ich einen Grund zum Aufgeben.

Überhaupt bin ich wieder besser drauf. Jetzt, wo wir in der letzten Runde sind, ist klar, dass wir über die Distanz kommen (müssen). Ich setze einfach einen Fuß vor den anderen und nehme mir vor nicht damit aufzuhören bis ich im Ziel bin.

Jetzt ist es auch angenehm, keine Ziel-Zeit zu haben. Wen interessiert schon, ob wir 15 oder 20 Stunden brauchen werden. Das ist vielleicht auch der wesentliche Unterschied zur Teilnahme bei den 100-km-Läufern. Es ist einfach sehr entspannt.

Die größte Herausforderung liegt in der Dauer der Unternehmung. Und dieses Wissen sorgt dann auch bei uns dafür, dass wir uns trotzdem bei keiner Verpflegung zu lange aufhalten. Irgendwann willst Du einfach nur noch ankommen.

Nur noch 5 km ins Ziel!
Nur noch 5 km ins Ziel!

Zieldurchlauf at High Noon

Die letzten fünf Kilometer sind lang und wir werden noch von einigen Läufern passiert. Nach mittlerweile 17 Stunden biegen aber auch wir zum letzten Mal ein auf die Laufbahn des kleinen Stadions in Blaustein.

Umarmung mit Günter. Gratulation vom Veranstalter. Finisher-Shirt entgegennehmen. Setzen. Fertig.

 

 

 

„Ich empfinde nichts als inneren Frieden. Ich bin 100 Kilometer am Stück gelaufen. Ich habe getan, was ich dauernd schon mal tun wollte.“

Ich habe mich nicht auf das Ziel 100 Kilometer eingeschworen. Mich einfach 12 Tage vor der Veranstaltung, eine Stunde vor Anmeldeschluss registriert. Aus meinem normalen Laufpensum von ca. 50 Wochenkilometern heraus, ohne spezielle Vorbereitung. Das ging freilich nur dank der Startoption als Volkswanderer.

Jetzt weiß ich immerhin, dass es auch bei den Läufern fürs Zeitlimit hätte reichen können. Jetzt weiß ich, wie mein Körper auf die lange Dauer reagiert. Und vor allem wie mein Herz darauf reagiert, seit 3 Jahren meine besondere Schwachstelle. Mein Blutdruck dürfte die meiste Zeit gepasst haben. Das gibt mir ein besonders gutes Gefühl.

Meine durchschnittliche Herzfrequenz betrug 126 Schläge pro Minute, was 65% meiner HF-max bedeutet. Sie war anfangs höher als erwartet, hat sich dann aber gut eingependelt. Die Schwankungen waren eher gering, da ich bergauf langsam gegangen und bergab gelaufen bin.

4 Tage danach

Nach drei Ruhetagen habe ich gestern wieder die Laufschuhe geschnürt und war ein knappes Stündchen locker unterwegs. Ich kann sagen, dass es sich nicht anders angefühlt hat als vorher. Kein Muskelkater und keine Gelenk- oder Sehnenschmerzen mehr.

Überhaupt erstaunt es mich, wie gut es mir schon am Tag nach dem Lauf wieder ging. Ich konnte sogar vorwärts die Treppe runter. Das habe ich schon ganz anders erlebt. Offenbar zahlt sich die niedrige Intensität, die Belastung ganz ohne Sauerstoffschuld, auch für den Bewegungsapparat aus.

Fazit

Das völlige Fehlen von Zeitdruck hat sich für mich ausgezahlt. Ich habe wieder viel über mich und meinen Körper gelernt. Wenn meine Gesundheit mitmacht, war dies wohl nicht der letzte Start bei einem 100-Kilometer-Lauf.

Beim nächsten Mal will ich es wieder als Läufer wagen. Ich liebe die runde Bewegung des Laufens und zumindest in der ersten Hälfte hat sich das Laufen immer besser angefühlt als das schnelle Gehen. Nur hätte ich diesmal ohne die Gehstrecken einfach mein Pulsniveau noch nicht halten können.

Wenn ich konsequent alle bergauf-Strecken gehe und ein paar Kilometer mehr in die Vorbereitung stecke, dann könnte das zukünftig auch in meinem individuellen Zielbereich zwischen 65 und 70% der HFmax möglich sein. Und wenn nicht, dann weiß ich jetzt zumindest, dass man auf sehr langen Strecken auch wandernd ganz gut unterwegs sein kann.

100 Kilometer zu Fuß sind ganz schön weit. Endlich weiß ich das auch aus eigener Erfahrung.

14 Gedanken zu „100 Kilometer zu Fuß“

  1. Respekt und Gratulation.
    Alles richtig gemacht, Gesund und glücklich angekommen. Das motiviert und gibt Selbstsicherheit >> genieße Deine positiven Gefühle.
    Interessant auch, dass Du mit 50 Wochen Kilometer so fit bist. Wie viele Einheiten machst Du in der Woche?
    Was mich noch interessiert, was hat Du unterwegs gegessen und getrunken?
    Helmut

    1. Hallo Helmut,

      ja, das genieße ich jetzt schon irgendwie.

      Zur Fitness: naja, das ist ja relativ. Ich war ja schon sehr lange und extensiv unterwegs, da braucht es einfach keine so gute Form. Was mich auch selbst verwundert, das ist die schnelle Erholung. Das ist sonst nämlich keine Stärke von mir. Auch die Anzahl extrem fitter Teilnehmer gehobenen Alters regt mich zum Nachdenken an, und die sind alle ins Ziel gekommen.

      Versorgung während des Laufes: ich lasse grundsätzlich die Hand von fertigem Isogestränk und bin auch sonst recht kritisch. Deshalb hatte ich eigentlich alles dabei, was ich dringend benötigte (Trinkrucksack mit 1,5l Wasser). Getrunken habe ich zunächst nur stilles Wasser (anfangs mit etwas Salz gemischt), später noch 2 oder 3 Becher Cola und im Morgengrauen einen Becher Brühe. Gegessen habe ich immer wieder gut gekaute Salzmandeln und Obstriegel (Hipp Apfel-Banane), die ich dabei hatte. Und von der Verpflegungsstation zusätzlich Bananen und salziges Laugengebäck. Letzteres habe ich aber wieder ausgesetzt als ich zwischendrin mal ein wenig Bauchgrummeln hatte. Das verging aber mit dem Becher Brühe. Zusammengefasst hatte ich während des Laufes weniger Magenprobleme als sonst im Alltag.

      Meine 50 Wochenkilometer verteilen sich auf 4-7 Laufeinheiten. Ich gehe mittlerweile lieber täglich kurz raus, denn die tägliche Bewegung bekommt mir einfach sehr gut. Ich komme auch mal nur auf 40 km und eine andere Woche dafür auf 60, z.B. wenn ich mal einen 20km-Lauf einbaue.

      4 Wochen vor dem Lauf bin ich innerhalb von 5 Tagen zweimal sehr lange Wandern gewesen (je 40km). Da hatte ich familienfrei, konnte aber nicht laufen gehen, da ich etwas angeschlagen war. Das hat sich vor allem bei meiner Schuhwahl positiv ausgewirkt. Ich habe nämlich zwei unterschiedliche angehabt und hatte hinterher ein klares Ergebnis 🙂

      Beste Grüße
      Sebastian

  2. Hallo schöner Bericht ich glaube Werner S. Hätte es nicht besser schreiben können. Es freut mich dass du schon wieder laufen kannst und im Kopf schon den nächsten 100 planst. Gruß und weiter gutes laufen

    1. Hallo Günter,

      naja, Planen ist wohl übertrieben. Ich würde mir jedoch wünschen, das Erlebnis zu wiederholen. Wie ich Dich so kennengelernt habe, war das auch nicht Dein letzter oder? Bist Du auch wieder halbwegs rund unterwegs?

      Beste Grüße
      Sebastian

  3. Lieber Sebastian,

    ganz große Klasse! Ich freu mich für dich! Nicht nur, dass du mit den niedrigeren Intensitäten ganz sicher auf dem richtigen Weg bist, sondern auch, dass du eine Grenze gleich derartig weit verschieben konntest, ist begeisternd.

    Liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Lieber Wolfgang,

      Danke Dir. Bezüglich des Weges habe ich ja nicht wirklich eine Wahl. Ich mache jetzt eben das, was noch geht. Und das geht derzeit ganz gut. Ändert aber nichts daran, dass ich mit Spannung Deinen schnellen Barfuss-Marathon in Frankfurt erwarte. Und wenn Du dann in den nächsten Jahren einen Hunderter angehst, dann trau ich Dir zu, dass Du das unter 10 Stunden machst. Und trotzdem konnten wir mit Spaß zusammen laufen 🙂

      Beste Grüße
      Sebastian

  4. Lieber Sebastian,

    ÜBERRASCHUNG !

    Willkommen im Club – du hast dir deinen sehnsüchtigen Wunsch erfüllt, alles gut über die Bühne gebracht – ja, ich freue mich auch sehr für dich.

    Es tut einfach nur gut, mal über den üblichen Rahmen hinaus wohl betreut seine Kreise zu ziehen, um dann tiefste Zufriedenheit zu ernten, ist es nicht das, was uns immer dazu verleitet, lange Kanten zu laufen ?

    Auch ich bin bei meinem schnellsten 100 km-Lauf mit 9.23 h höchst zufrieden und glückselig eingelaufen, das könnte ich heute nicht mehr, aber solche Läufe schreien definitiv nach mehr – es wird sicher nicht dein letzter Versuch sein, das nächste Mal ein offizieller 100 km Lauf ? Muss ja nicht gleich sein !!

    Ja, ich freue mich sehr für dich – super ! 😎

    1. Lieber Margitta,

      wusste ich, dass Du dich da freust, auch wenn es im Vergleich zu den 100-Kilometer-Läufen, die Du gemachst hast, natürlich nur eine sportliche Wanderung war. Aber geschenkt war es schon der Dauer wegen trotzdem nicht. Ich glaube, es war für mich genau der richtige Weg. Jetzt kann ich einen 100-Kilometer-lauf viel realistischer planen und mich entsprechend vorbereiten. Dieser Teil des Traumes ist auch noch nicht abgeschrieben 😉

      Wenn ich also realistische Chancen auf ein Finish unter 14h sehe, dann werde ich das nächstes Jahr vielleicht mal ausprobieren. Aber bis dahin kann natürlich noch viel passieren. Jetzt freue ich mich erstmal über das Erreichte. Und wenn ich es versuche, dann wird es kein Fehler sein, die Distanz schon zu kennen 🙂

      Ich hatte schon vermutet, dass Du auf den langen Strecken sehr schnell warst, aber 9:23 ist schon eine Hammerzeit!!

      Liebe Grüße
      Sebastian

  5. Herzlichen Glückwunsch auch von mir! Wieder eine Barriere durchbrochen, klasse.

    Hattest Du gar keine Probleme mit dem Biorhythmus? Du bist ja immerhin die Nacht durchgelaufen.

    Viele Grüße
    Markus

    1. Hallo Markus,

      Danke Dir! Mein Biorhythmus hat das wahrscheinlich erst mitbekommen als es vorbei war 😉 Nee, im Ernst: ich bin erst auf der Heimfahrt im Auto richtig müde geworden, da aber so, dass ich ein halbes Stündchen schlafen musste, bevor es gar nach Hause ging. Hatte das eigentlich auch anders erwartet, da das Belastungsniveau ja schon sehr niedrig war, was der Müdigkeit eigentlich förderlich ist.

      Ich bin vor vier Jahren ja schon mal die 50 km gelaufen (23 Uhr – 4:30 Uhr). Auch da hatte ich keine Probleme damit. Im Gegenteil, mir gefällt das Laufen in der Nacht sehr gut. Da kommt man sich subjektiv auch ein wenig schneller vor 😉

      Beste Grüße
      Sebastian

  6. Hallo Sebastian, das ist ja mal ein Ding, egal ob nun als sportliche Wanderung oder Lauf. Du hast den 100er gemacht! Große Klasse! Besonders in Anbetracht deiner gesundheitlichen Vorgeschichte find ich das Ganze einfach nur super. Und ab jetzt bin ich doppelt gespannt wie es weiter geht beim FlowRunner 🙂
    Beste Grüße, Oliver

    1. Hallo Oliver,

      vielen Dank! Ich bin auch selbst gespannt, ob ich es schaffe mit meiner niedrigen Intensität dahin zu kommen, wo ich will. Nämlich auch sehr lange Distanzen durchzulaufen. Theoretisch müssten auf sehr langen Strecken dann auch für mich wieder brauchbare Zeiten möglich sein. Wir werden sehen 🙂

      Für Dich als Schuhinteressierten: gewählt hatte ich einen Brooks Pure Flow (2), den ich schon eine Zeit lang habe und beim Laufen als viel zu üppig empfinde. Ich hatte den aber vorher bei einer langen Wanderung an und derart null Probleme, dass er sich quasi aufgedrängt hat. Zu Recht. Idealer Speed-Hiking-Schuh also 😉

      Beste Grüße
      Sebastian

  7. Lieber Sebastian,

    gratuliere zum ersten Hunderter, ist schon ne Hausnummer, egal ob laufend, gehend oder in einer Mischung aus Beiden. Ich könnte mir momentan für mich keine Zielankunft vorstellen 😉
    Genieß den Stolz und plane nicht so sehr für die Zukunft, denn Du weißt nie was kommt, aber ich gönne Dir einen zweiten Hunderter nach Deinem Geschmack.

    Salut

    Christian

    1. Lieber Christian,

      ich genieße das positive Erlebnis und plane eigentlich gar nicht so groß weiter. Ich ziehe nur mal wieder ein paar Schlüsse aus dem Erlebten 😉 Ich bewege mich ja bevorzugt im eigenen Komfortbereich und genau das Gefühl hatte ich bei diesem kleinen Abenteuer, weshalb ich vielleicht daran anknüpfen werde, wenn es sich ergibt. Verlassen werde ich den Komfortbereich sportlich nicht mehr, dazu fehlt mir mittlerweile die Bereitschaft und ehrlich gesagt auch das dafür wichtige Ur-Vertrauen in mein zentrales Organ.

      Danke für die guten Wünsche!

      Beste Grüße
      Sebastian

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