Die Kraft aus der Mitte

Meldung aus der Körpermitte: hier zwickt’s!

Das Aufstehen fiel mir heute früh gleich doppelt schwer. Zum einen wahrscheinlich als Resultat einer deutlich zu warmen Nacht. Zum anderen gesellte sich zum dumpfen Kopfgefühl ein länger nicht gespürtes Ziehen im seitlichen Rumpfbereich – sollte das tatsächlich Bauchmuskelkater sein?

Trotz des immer noch etwas tauben Gefühls im Kopf war die Ursache recht schnell ausgemacht. Nach zwei Wochen urlaubsbedingter Abwesenheit hatte ich gestern mal wieder – wie ohne Urlaub fast täglich – mein Mini-Trampolin beschäftigt. Nur ein paar Minuten länger, ich hatte Nachholbedarf.

 

Training für die Rumpfmuskulatur

Die Bedeutung der Rumpfmuskulatur ist wahrscheinlich für jeden Freizeitläufer, der sich einmal unvorbereitet auf Strecken über zwanzig Kilometer gewagt hat, schon unmittelbar spürbar geworden.

Irgendwann knickt der mäßig vorbereitete Läufer – zunächst unmerklich – auf Höhe der Hüfte nach vorne ein. Das macht sich neben leichten Rückenschmerzen und eventuellem Seitenstechen auch durch einen spürbaren Tempoverlust bemerkbar. Knickt man nämlich ein, wird der so wichtige Kraftfluss unterbrochen.

Die Bedeutung der Rumpfmuskulatur für den Läufer, oder anders ausgedrückt: die Erkenntnis, dass die Kraft aus dem Zentrum unseres Körpers kommt, wird zunehmend thematisiert, sei es in der Diskussion unter Läufern, der einschlägigen Literatur oder in Laufmagazinen. Es ist derzeit geradezu ein Modethema.

Dennoch fällt es vielen Läufern schwer, sich im Training gezielt damit zu beschäftigen. Ich finde das auch nur zu verständlich, denn wir sind ja Läufer geworden, weil wir das Laufen lieben und nicht etwa Übungen zur Rumpfkräftigung, wie auch immer diese aussehen.

Dass ich selbst weitgehend ohne solche Übungen auskomme, das verdanke ich mehr oder weniger dem Zufall.

Per Mini–Trampolin zum starken Rumpf?

Vor ein paar Jahren haben wir uns für unseren damals vierjährigen Sohn ein Mini-Trampolin angeschafft. Die Idee entstand, als er beim Spielen auf dem Gartentrampolin von Freunden zwar viel Freude hatte, aber eindeutig Schwächen beim Springen offenbarte.

Da wir grundsätzlich eher nicht zur Gattung der heute so verbreiteten Betreiber häuslicher Vergnügungsparks gehören, musste jedoch eine weniger mächtige Lösung her, und so entstand der Wunsch nach einem Mini-Trampolin.

Nach ein wenig Internetrecherche war ich dann auch selbst schnell gefesselt, und wir entschieden uns daher für ein relativ hochwertiges Gerät von Trimilin, das uns allen gerecht werden konnte. Da ich mit knapp 65 kg Körpergewicht sowieso schon die schwerste Person im Haushalt bin, war dies ohne allzu große Kompromisse möglich.

Erfahrungen mit dem Mini-Trampolin

Die Erfahrungen mit dem Mini-Trampolin haben meine Erwartungen dann bei weitem übertroffen. Dazu beigetragen hat neben dem Trampolin selbst, vor allem seine Positionierung/Aufstellung in einem viel begangenen Raum. Man kommt so einfach öfter daran vorbei und hat es immer vor Augen. Da hüpft man als bewegungsfreundlicher Mensch fast schon automatisch ein bisschen rum.

Das Basis-Ziel, dass unser Sohn Spaß daran findet und regelmäßig seine Sprungfähigkeiten trainiert, war schnell erreicht und die Freude daran dauert bis heute an. Nicht selten erzählt er abends noch springend von seinen Erlebnissen des Tages.

Ich selbst nutze es fast jeden Tag vor dem zu Bett gehen oder wenn ich im Home-Office arbeite, um eine Bewegungspause von der Schreibtischarbeit zu nehmen. Wenn ich von einem langen Tag im Außendienst zu spät nach Hause komme um noch Laufen oder Radfahren zu gehen, dann lege ich zumindest noch eine zehnminütige Trampolineinheit ein. Sonst verbringe ich eher zwei bis fünf Minuten täglich darauf.

Da ich neben der körperlichen Lockerung an Schreibtischtagen zunächst gar keinen weiteren Trainingseffekt erwartet hatte, war ich umso verblüffter, als sich Stück für Stück weitere positive Effekte dieses kurzen aber regelmäßigen Sprungtrainings offenbarten.

Nach ein paar Monaten war die Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur offensichtlich und auch auf die sonst gelegentlich sichtbare Verteilung des Körperfettes zum Bauch hin wirkte sich das Trampolin positiv aus. Über die Auswirkungen auf die sogenannte tiefe Rumpfmuskulatur kann ich nur spekulieren, aber ich vermute da ähnlich positive Effekte, erfolgt die Muskelkontraktion beim Springen doch eher unbewusst als gezielt.

Im Winter konnte ich zusätzlich einen positiven Effekt auf meine leider grundsätzlich anfälligen Nasennebenhöhlen feststellen. Das Springen lockert spürbar dem Schleim und befreit die Atemwege.

Und auch das leidige Lauf-ABC mache ich außer auf dem Trampolin fast gar nicht mehr, da auch die Sprunggelenke auf dem Trampolin ausreichend trainiert werden.

Fazit

Nach nun mehr als zwei Jahren mit meinem Trimilin Mini-Trampolin kann ich also ein durchweg positives Fazit ziehen. Mein Zentrum scheint durch das Mini-Trampolin auch ohne spezielles Kräftigungstraining ausreichend stark zu sein – auch für lange Läufe.

Für mich persönlich kann ich folgende positiven Effekte der Anschaffung des Mini-Trampolin zuschreiben:

  • eine ständig verfügbare Bewegungsmöglichkeit
  • bietet perfekt in den Alltag integrierbaren Ausgleichssport
  • stärkt spielerisch die Rumpfmuskulatur
  • befreit die Atemwege
  • stärkt Sehnen, Bänder und Gelenke
  • macht Spaß 🙂

Und das Beste daran: es ist für mich genau wie beim Laufen oder Radfahren. Ich muss auf dem Trampolin nicht wirklich trainieren – seine Benutzung ist für mich zum Selbstzweck geworden.

Das Zwicken heute morgen hat mich daran erinnert, dass ich mein Mini-Trampolin zwei Wochen nicht hatte, und dass der Trainingseffekt manchmal auch unmittelbar spürbar ist. Wurde also Zeit, dass ich es hier mal würdige.

9 Gedanken zu „Die Kraft aus der Mitte“

  1. Hallo schön mal wieder was zu Lesen von Dir hast ein neues Trainings gerät entdeckt ich hoffe die Decke ist hoch genug. Es scheint dir gut zu gehen (was mich freut) und das Wort laufen erscheint auch in den Zeilen. Gruß Günter

  2. Lieber Günter,

    freut mich auch von Dir mal wieder was zu hören. Und ich hoffe, Dir geht es ebenso gut wie mir.

    Dieser Blog war ja von Beginn an stark durch meine Experimente rund ums Laufen geprägt. Die Wahrheit ist einfach, ich probiere derzeit wenig neues beim Laufen. Ich laufe regelmäßig, aber deutlich weniger, was vor allem daran liegt, dass mich die alte Rennraddame, die ich vergangenes Jahr wiederbelebt habe, nicht mehr los gelassen hat. Ich bin kürzlich sogar seit zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder mal mehr als 200 km am Stück gefahren – und es ging noch ganz gut.

    Aber ich werde auch wieder mehr und länger laufen, und damit kommen dann auch neue Experimente und Blogbeiträge. Alles zu seiner Zeit. Nächstes Jahr wären auch wieder die 100 in Ulm möglich. Was meinst?

    Beste Grüße
    Sebastian

  3. Lieber Sebastian,
    schön Dich zu lesen!
    Mir scheint, Du hast die eierlegende Wollmilchsau für Dich gefunden, ich bin mir nur nicht sicher, ob das für jeden zutrifft. Ich persönlich fühl mich unwohl auf einem Trampolin. Mir ist Seilspringen lieber. Was für Dich das Trampolin, ist für mich mein Sensoboard, die lohnenswerteste Anschaffung in den letzten 5 Jahren, Koordination und Gleichgewicht werden ebenso geschult wie die Rumpfmuskulatur gestärkt wird, was mir v.a. auf den Trails viel mehr Sicherheit bringt und auch bei Müdigkeit und Erschöpfung beim Laufen wie automatisch die sogenannte postorale Stabilität erhält…so hat jeder sein Lieblingsspielzeug 🙂

    Salut und bleib gesund

  4. Hallo Christian,

    das ist wohl wie mit Laufschuhen, da muss jeder sein Glück selbst finden. Das Sensoboard musste ich gleich mal suchen, habe ich noch nicht gekannt. Sieht wie eine aufwändige Variante meines Balanceboards aus, nur ein bisschen teurer 😉 aber wenn man mal Sprunggelenksprobleme hatte, dann nimmt man das sicher gerne in Kauf.

    Am ehesten ist für mich Seilspringen mit dem Mini-Trampolin vergleichbar, jedoch empfinde ich das dann nur als Training und nicht im Ansatz entspannend. Aber das „Springen“ an sich scheint wirklich gut für den Körper zu sein, soll den Lymphfluss anregen und die Versorgung der sonst eher schlecht versorgten Knorpel und Gelenke. Ich bilde mir sogar ein, unmittelbar zu spüren, wie „innen“ alles in Bewegung und vermeintlich an den richtigen Ort kommt.

    Aber wie Du so schön schreibst, jedem sein Lieblingsspielzeug 🙂

    Beste Grüße
    Sebastian

  5. Hallo Sebastian,

    meine Rumpfstabilität hole ich mir auf der Gymnastikmatte. Aber so ein Trampolingedanke ist auch gar nicht so schlecht. In der Garage steht sogar noch so ein Teil. Aber leider kann ich das aus Platzgründen nicht in unserer Wohnung deponieren.

    Danke dennoch für die Inspiration. Ich vermute, es nutzt nicht nur bei Dir 😉

    Viele Grüße
    Rainer 😎

  6. Hallo Rainer,

    die Gymnastikmatte ist mit den richtigen Übungen sicherlich nach wie vor die zielgerichtete Methode.

    ABER 😉

    … macht Dir das Spaß? Ich muss mich für Gymnastik zu sehr aufraffen und so nebenbei funktioniert das bei mir auch eher nicht, weil man meist zu viele verschiedene Übungen machen muss. Aber an Trainingsmoral hat es Dir – solange ich bei Dir lese – ja nie gemangelt 🙂

    Trotzdem, probiere das Teil aus der Garage ruhig mal aus, vielleicht…

    Beste Grüße
    Sebastian

  7. Absolut! Ich mache die gleichen Erfahrungen. Ich habe seit etwas 1,5 Jahren mein Minitrampolin zu Hause und ich liebe es! Ich habe bereits nach wenigen Tagen nicht gezieltem Training Veränderungen in der Rumpfmuskulatur gespürt, und ich nutze es genauso wie du, wenn ich viel zu Hause am Schreibtisch sitze, für die nötige tägliche Bewegung.

    1. Hallo Tina,

      freut mich, dass Du hierher gefunden hast und dass es Dir da genauso geht. Gerade die einfache Nutzung zwischendurch im Alltag finde ich so einzigartig am Mini-Trampolin. Man muss sich zu nichts aufraffen, im Gegenteil, es drängt sich geradezu auf, wenn man daran vorbei kommt.

      Beste Grüße
      Sebastian

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