Die Kraft der Niemandszeit

Laufen zur Niemandszeit.

Nein, kein Bericht vom langen, einsamen Nachtlauf durch verschneite Wälder, wie ich ihn schon so lange vorhabe. Der muss noch etwas warten. Die Niemandszeit ist mein neues Synonym für den Januar.

In der Niemandszeit drücke ich den Reset-Knopf.

Keine Zeit für große Leistungen

Die Bedingungen für den geplanten winterlichen Nachtlauf waren in den vergangenen Vollmondnächten absolut in Ordnung. Aber ich habe nicht einmal daran gedacht. Ich war mit meinen Gedanken woanders. Und nicht, weil etwas Einschneidendes passiert wäre.

Ich tue mir schon immer etwas schwerer im Januar. Woran das liegt, kann ich gar nicht sagen. Vielleicht ist das mein Biorhythmus. Jedenfalls ist es auch dieses Jahr wieder so.

Der Januar ist für mich stets die Zeit zwischen den Jahren. Eingekeilt wie das Niemandsland zwischen zwei Ländern. Meist kommt er mir deswegen wohl auch länger vor als andere Monate. Und selten war ich im Januar besonders zielstrebig.

In diesem Jahr aber habe ich erstmals das Gefühl, dass das gut so ist, und dass ich das alljährlich wahrscheinlich so brauche. Und dieses Jahr nehme ich mir deshalb ganz bewusst die Zeit dafür.

Was beschreibt die Niemandszeit

Von außen betrachtet war das ein Monat, wie viele andere. Ich war beruflich viel unterwegs und ich war trotzdem regelmäßig Laufen.

Aber ich habe auch meinen Job gekündigt. Ich war, wenn ich Laufen war, nicht wirklich bei der Sache und ich habe definitiv zu viel getrunken und zusätzlich dazu gegessen, was mir in den Sinn kam. Ziemlich untypisch für mich.

Zum Schreiben hatte ich natürlich auch keinen Kopf. Zum Lesen hingegen schon.

Zurück in die Spur

„Die Niemandszeit scheint dennoch mein Freund zu sein. Denn mittlerweile weiß ich, dass ich gestärkt aus ihr hervorgehe. Dass sie mir die Kraft und Kreativität gibt, die ich langfristig brauche, um mit mir selbst zufrieden zu sein.“

Der Weg zurück in die Spur ist einfach.

Ich muss nicht von heute auf morgen in allen Bereichen wieder meinem Anspruch genügen. Nein. Ich greife mir in der Regel einen einzigen heraus. Der Rest folgt dann wie von selbst.

Ich kann mich z.B. einfach wieder vernünftig ernähren, Zucker und Weißmehl weglassen, und mich endlich an die praktische Erfahrung der Maffetone-Methode machen. Ich kann es mir aber auch noch einfacher machen und damit anfangen, das Glas Wein oder Single Malt wieder aus dem Feierabend zu verbannen.

Ganz egal an welcher Front ich angreife, der erste Erfolg wird den nächsten mit sich bringen und nach zwei Wochen bin ich wieder in der Spur. Das mag etwas stark vereinfacht rüberkommen, aber so ist es bis jetzt immer gewesen.

Ich will mehr

Die Niemandszeit brauche ich auch deshalb, weil ich danach wieder anspruchsvoll mit mir bin.

Weil ich auch dieses Jahr wieder weiterkommen möchte.

Und ich meine das nicht im Sinne von schneller laufen, mehr Prestige im Job oder materiellem Zugewinn. Nein, aber ganz gewiss

„im Sinne von noch müheloser Laufen, mehr Spaß im Job und altersgerechtem Erkenntnisgewinn.“

Gerade letzterer wird mir immer wichtiger. Denn solange ich das Gefühl habe, dass ich hier vorankomme, habe ich mit dem älter werden kein Problem.

Die Niemandszeit ist jetzt vorbei.

8 Gedanken zu „Die Kraft der Niemandszeit“

  1. Lieber Sebastian,
    diese Zeiten kenne ich auch, zwar nicht gebunden an eine Jahreszeit oder sogar einen Monat, sondern immer wieder tauchen sie auf, die Rückfälle in alte Verhaltensmuster. Ich finde es gar nicht schlimm und ich nehme mir dann eine Auszeit, eine Auszeit vom Laufen, vom Sport und von angeeigneten Verhaltensmustern bei der Ernährung. Meist ist es auch, wie bei Dir, eine Zeit der Besinnung und damit verbunden auch einer Veränderung. Ich habe 2010/2011 so den Grundstein für das barfuß Laufen gelegt, meinen Laufstil zum wiederholten Mal verändert und seitdem auch beibehalten.
    Alkohol ist für mich zum Glück kein Thema, die paar Flaschen Wein im Jahr kann ich getrost unter homöopathisch verbuchen, dafür gibt es andere Laster, die mich immer wieder in Versuchung bringen 😉
    Ich wünsche Dir viel Erfolg und v.a. Spass bei dem Aufbruch zu neuen Ufern, sowohl beruflich als auch beim Laufen. Du wirst berichten, so hoffe ich 😀

    Salut

    1. Hallo Christian,

      Die unterjährigen Besinnungszeiten habe ich natürlich zusätzlich 😉 In Bezug auf den Job nenne ich die gerne „kreative Langweile“, was nichts anderes heißt, als dass durch Phasen mit schlechtem Gewissen und Zeit zum Nachdenken, oft die besten Ideen und vor allem eine neue Strukur entstehen.

      Und Keine Sorge, Alkohol nehme ich generell auch eher in bescheidenem Umfang zu mir. In den letzten Wochen hat mich eher die Regelmäßigkeit geärgert. Ich vertrage ihn mittlerweile aber so schlecht, dass keine Gefahr besteht 😉

      Beste Grüße
      Sebastian

  2. Lieber Sebastian,

    Niemandzeit, wie du sie nennst, kennt wohl jeder von uns, hängt wohl mit den äußeren Umständen unseres Lebens zusammen. Wenn man dann “ aufgeräumt “ , sich neue Ziele gesetzt hat, sie nach und nach verwirklichen kann, entsteht Zufriedenheit, Ausgeglichenheit, mit der es sich dann wunderbar leben lässt.

    Und ich kann dich trösten, mir jedenfalls ergeht es so, je älter ich geworden bin, umso zufriedener, ausgeglichener bin ich, schätze alles, was mir gut tut, entferne mich von allem, was mir schaden könnte, das ist im Berufsleben natürlich nur bedingt möglich, im Privatleben schon !

    Älter werden wir alle, so wir das Glück haben, aber – ich spreche aus Erfahrung – mit positiver Einstellung, Lebensfreude, Bewegung, auch Genuss, liebenswerten Menschen um mich herum habe ich mir ein solides Fundament erschlossen, an dem ich kontinuierlich arbeite, damit es mir ewig erhalten bleibt.

    Viel Glück auf ALLEN deinen Wegen 😎

    1. Liebe Margitta,

      Doch doch, auch Ich werde immer zufriedener, da soll gar kein anderer Eindruck entstehen. Das war in den letzten Jahren vielleicht nicht jeden Tag so (bin mir da nicht so sicher). Auf alle Fälle hat sich bei mir die Einsicht durchgesetzt, dass das „älter werden“ sehr viele positive Aspekte hat. Weiß ich heute doch so viel mehr als noch vor Tagen, Jahren, Dekaden… 😉

      Und die Alternative ist ja schon gar nicht verlockend, heißt sie doch „früh sterben“. 😉

      Liebe Grüße
      Sebastian

  3. Hallo Sebastian,

    der Januar ist in der Tat ein besonderer Monat. Ich vermute, es liegt auch an der kurzen Helligkeit in diesen Wintertagen. Im November und Dezember gibt es die zwar auch, aber da steht doch das Weihnachtsfest und der Jahresendspurt eine Auszeit im Wege.

    Wenn es gelingt, in der Niemandszeit des Januars neue Ziele zu definieren, die das Leben spannend und lebenswert machen, dann ist diese Zeit doch sehr wichtig für uns.

    Ich bin auch dabei, habe aber noch ein wenig zu tun …

    Viele Grüße
    Rainer 😎

    1. Hallo Rainer,

      Mit Deiner Vermutung kommst Du der Erklärung sicher recht nahe – absolut plausibel. An Arbeit hat es mir im Januar auch nicht gefehlt, vielleicht hat das sogar dazu beigetragen, dass ich etwas aus der Spur war. Aber seit vergangener Woche ist es ruhiger und ja, es wird positives daraus entstehen. Da bin ich ganz sicher 🙂

      Ich hoffe, Dir bekommt deine aufgezwungene Laufpause gut und möge sie morgen schon vorbei sein!

      Beste Grüße
      Sebastian

  4. Hallo Sebastian, eine Niemandszeit gibts doch in fast jedem Lebensbereich, wieso also nicht auch beim Laufen? Das hat auch überhaupt nichts mit mangelnder Disziplin oder so zu tun, sondern ist einfach nur eine wunderbare Methode um Rückschau zu halten, Pläne zu machen und sich neu zu fokussieren. Wenn es dann wieder los geht, ist auch die vielleicht etwas in der Gewohnheit versackte Energie und der Spaß wieder dabei.
    Viel Spaß beim Durchstarten!

  5. Hallo Oliver,

    Das Laufen hat mich ja auch durch diese Zeit begleitet, nur eben irgendwie am Rande, einfach aus Gewohnheit. Ich werde jetzt einfach wieder etwas bewusster daran gehen 🙂

    …habe auch schon begonnen. Wie hast Du in deinem letzten Beitrag sinngemäß so schön geschrieben: „es wird spannend!“

    In diesem Sinne
    Beste Grüße
    Sebastian

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