Nachtschicht

Vom Laufen in Der Dunkelheit

Es ist mal wieder soweit. Ich muss mich derzeit zum Laufen ernsthaft aufraffen. Denn wenn ich aufbrechen kann, ist es lange dunkel, dazu kalt und nicht selten auch noch nass. Gerade jetzt ist es sogar saukalt.

Das Teufelchen auf meiner rechten Schulter flüstert allabendlich:

„Komm hol dir lieber ein paar Weihnachtsplätzchen, mach dir einen heißen Glühwein und entspanne dich wie jeder normale Mensch um diese Jahreszeit im Liegen oder beim unsäglichen Fernsehprogramm.“

Zum Glück schallt es ab und an von meiner linken Schulter lautstark dagegen:

„Geh raus, sieh dir den prächtigen Sternenhimmel an, tanke herrlich kühlen Sauerstoff und du wirst dich hinterher dafür lieben!“

Ich gebe zu, es stand zuletzt ziemlich ausgeglichen zwischen den beiden, aber dann hat das Engelchen angefangen an scheinbar kleinen Details zu arbeiten…

Nachtlauf mit Stirnlampe

„Warum trägst Du die Stirnlampe eigentlich am Kopf?“

fragte mich das Engelchen kurz nach meinem Aufbruch. Ich stutze.

„Naja, vielleicht, weil sie dafür entwickelt wurde?“

„Aber so siehst Du ja gar nichts vor lauter Licht.“

Darüber galt es nachzudenken.

Stirnlampe am Rumpf

Im Grunde ist es für mich nichts neues, die Stirnlampe zur Abwechslung mal um den Bauch oder den Rumpf zu tragen. Beim Ulmer Nachtlauf in diesem Jahr habe ich das so getan, weil ich Nackenprobleme fürchtete, wenn ich sie stundenlang am Kopf tragen würde, außerdem war sie nicht kompatibel mit meinem Tilley-Hat (Hauptgrund).

Dennoch hatte ich bisher nicht bewusst wahrgenommen, dass dies neben der geringeren Kopflast und dem höheren Tragekomfort einen weiteren entscheidenden Vorteil hat: Du nimmst die nicht angestrahlte Umgebung dadurch viel besser war als mit Lampe am Kopf.

Mit der Stirnlampe an der dafür vorgesehenen Stelle hast du zwar den Vorteil, dass der Lichtkegel automatisch deinem Blick folgt, um den Lichtkegel herum jedoch, nimmst du fast nichts mehr wahr, da sich die Augen durch die Nähe zur Lichtquelle an das hellere Licht der Lampe anpassen und im Dunkel außenherum nichts mehr erkennen.

Erkenntnis eines gewöhnlichen Nachtlaufs

Umso größer war der Aha-Effekt neulich nachts, nachdem mir das Engelchen den Tipp gegeben hatte, die Lampe trotz kurzer Strecke einfach mal um den Bauch zu tragen.

Völlig unerwartet wurde der winterliche Sternenhimmel zum beherrschenden Element meines so lustlos angefangenen Spätabendlaufes. Zuvor war mir nie so deutlich aufgefallen, welche Wirkung diese Maßnahme auf meine Umgebungswahrnehmung beim Nachtlauf hat.

Die Lampe erhellte so tief getragen nur die wenigen Meter Untergrund direkt vor mir und darüber war mein Blick frei für die weitere Umgebung, auch dank der durch den Lichtkegel viel weniger verengten Pupillen.

Weite statt Tunnelblick. Freiheit statt Beklemmung. Okay, ich übertreibe jetzt ein wenig, aber der Unterschied war deutlich. Und der Motivationsschub auch.

Der einzige Nachteil dieser Tragevariante der Stirnlampe besteht darin, dass man nicht automatisch und gezielt erleuchtet, wohin man schaut. Straßenschilder, das Display der Laufuhr oder der sich schnell entfernende Schatten am Waldrand bleiben ohne umständliche Fummelei im Halbdunkel verborgen.

Gezielte Erhellung mit der Mini-Stableuchte (LED-Lenser)

Beim Ulmer Nachtlauf hatte ich aus diesem Grund eine kleine LED-Stableuchte dabei, die ich dann gezielt einsetzen konnte, wenn zum Beispiel eine Wegmarkierung zu suchen war. Für meine kurzen Feierabendläufe spare ich mir diesen zusätzlichen Aufwand jedoch.

Man lernt nie aus

Da laufe ich schon so lange durch die Pampa und habe immer noch solche kleinen Aha-Erlebnisse in scheinbar längst bekannten Bereichen. Im Idealfall sind die wie hier sogar geeignet, für neue Motivation zu sorgen. Klasse!

Oder ist das etwa schon die Altersvergesslichkeit? Wie pflegt mein lieber Vater, ein großer Westernfan, sinngemäß zu sagen:

„Wie praktisch, dass man die Handlung der Western so schnell vergisst, so kann man sie immer wieder neu ansehen.“

Bin gespannt, was meinem Engelchen heute Abend noch so einfällt…

10 Gedanken zu „Nachtschicht“

  1. Schöner Bericht ich hatte dich schon vermisst hast schon lange nicht mehr geschrieben so ist es halt wenn man noch arbeiten muss das habe ich zum Glück hintermir und kann laufen wenn die Sonne scheint nach den Frühstück oder nach dem Mittagessen (wenn es etwas gibt) aber auch der Winter geht vorbei und bald werden die tage ja wieder länger genieße die tage vor den Feiertagen zum planen für das nächste jahr dann kann es im neuen Jahr wieder losgehen ich hoffe deiner Familie und dir geht es gut bis bald Gruß Günter

    1. Hallo Günter,

      Schön, von Dir zu lesen. Ich beneide Dich da schon ein wenig, dass Du zu jeder Tageszeit raus kannst und wie ich Dich kenne, machst Du das auch.

      Pläne habe ich schon ein paar für das nächste Jahr, keine Frage 😉 im Pläne machen war ich stets gut, aber wer kennt das nicht. Ein Teil wird dann meist auch umgesetzt.

      Verwöhne Deine Enkel schön!

      Beste Grüße
      Sebastian

    1. Hallo Volker,

      Hätte ich mir denken können, dass Du das schon mal thematisiert hast. Bei Deiner Frequenz und Ausdauer, was Laufen und Schreiben angeht 🙂 schön dass Du das genauso siehst. 2014 habe ich Deinen Blog noch nicht gekannt und war auch noch ein Jahr vom eigenen entfernt.

      Vielleicht besorge ich mir auch noch so eine spezielle Lauflampe 🙂

      Beste Grüße
      Sebastian

  2. Lieber Sebastian,
    interessanter Ansatz, ich hatte dies bereits in Volkers Beitrag bemerkt, aber bis heute nicht umgesetzt. Warum? Ich habe keine Ahnung, aber wahrscheinlich deshalb, weil die Stirnlampe bei mir meist aus ist und ich sie nur dann einschalte, wenn ich Licht brauche. Ich trage auf meinen Nachhauseläufen meist Positionslichter, die am Rucksack befestigt sind und diese kleinen LEDs reichen aus um die ersten 2-3 Meter auf dem Boden ausreichend auszuleuchten, so dass ich nur zur Orientierung oder Wegfindung ab und an die „Hirnbirne“ brauche. Mal sehen, ob ich es auch mal mit dem Starklicht am Körper versuchen sollte.
    Deine Laufunlust hat aber bestimmt nicht nur mit der Dunkelheit zu tun, oder? Solche Antriebsschwierigkeiten haben bei mir auf jeden Fall immer auch andere Gründe…

    Salut

    1. Lieber Christian,

      Völlig klar, dass Du den Finger wieder in die Wunde legst 😉 ich bin aber gar nicht so lustlos unterwegs, wie sich das vielleicht liest. Statt sechsmal die Woche eben nur viermal. Und ja, manchmal auch nur dem Pflichtgefühl geschuldet. Aber alles in allem bin ich auch zur Zeit noch ein halbwegs leidenschaftlicher Läufer 😉

      Der von Dir völlig richtig vermutete Grund dürfte eher darin zu finden sein, dass mich – mal wieder – auch noch anderes fasziniert und beschäftigt. Wir haben uns z.B. einen alten Traum erfüllt und einen Camper gekauft (Nugget Westfalia) und die alten Rennräder lassen mich auch nicht mehr los…

      Da ich Dich als nicht weniger begeisterungsfähigen Menschen einschätze als mich, kannst Du das bestimmt nachvollziehen 🙂

      Beste Grüße
      Sebastian

  3. Lieber Sebastian,

    die Nutzung deiner Stirnlampe als Bauchlampe finde ich gut. Mich hat an den Stirnlampen immer gestört, dass ich mich bei feuchter Witterung selbst geblendet habe (es half nur, nach unten zu atmen) und so bin ich lieber ohne Lampe im fast völligen Dunkel gelaufen als in diesem harten Kontrast zwischen meinem Licht und der stockfinsteren Umgebung.

    Vielleicht probiere ich’s jetzt doch noch mal mit dem Lampen-Laufen…

    Liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Lieber Wolfgang,

      Du machst das schon richtig und siehst als Barfussläufer mit den Füßen. Das hat mich schon bei unserem ersten gemeinsamen Lauf fasziniert! Aber wenn es doch mit Lampe sein muss, dann wird Dir die Variabte gefallen.

      Beste Grüße
      Sebastian

  4. Lieber Sebastian, ich kann das durchaus nachvollziehen, hab die Bauchgurt Variante auch schon mal versucht, war aber etwas genervt, da mir der Druck vom Gurt zu viel war (lockerer = Wackelei). Der Brustgurt der GPS Uhr ist mir ja oft schon zu viel, mag es einfach nicht am Oberkörper irgendwie „eingeschnürt“ zu werden. So nehm ich also die Nachteile der am Kopf getragenen Lampe hin, finds aber auch nicht fürchterlich schlimm. Ehrlich gesagt gefällt mir dieser fokussierte Blick im Lichtkegel der Stirnlampe. Keine Ablenkung, nur die nächsten Meter zählen, Steigungen schrumpfen, die Nacht darf Nacht sein. Nur im Nebel wird es nervig … aber das ist ja bei jeder Lampe so. Man kann die Dinger ja auch einfach mal vorübergehend ausschalten und langsamer laufen.
    Beste Grüße, Oliver

    1. Hallo Oliver,

      Ich kenne das mit der schlackernden Lampe nicht, und einengen tut mich der Gummibund auch nicht. Vielleicht ist meine kleine Mammut einfach besonders gut geeignet dafür, oder eben meine Anatomie 😉 Ich will auch niemanden bekehren, sondern einfach Anregungen geben. Dem einen hilft es, dem andern nicht. Und Du bist ja offenbar zufrieden mit Stirnlampe. Mach weiter so!

      Beste Grüße
      Sebastian

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